Frankfurter kämpfen für ihren Turmpalast

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Über 2600 Facebook-Nutzer kämpfen um den Erhalt des Turmkinos.

Frankfurt – Es ist mehr als nur ein Kino: Der Turmpalast am Eschenheimer Turm in Frankfurt. Es ist ein Stück Frankfurter Kultur und Geschichte. Ende Juni sollen dort zum letzten Mal Filme in englischer Sprache über die Leinwand flimmern. Investoren wollen die 50er-Jahre-Gebäude abreißen. Dagegen formiert sich im Internet Protest. Von Jennifer Dreher

Zirka 2800 Facebook-Mitglieder haben sich bei der Gruppe „Save The Turmpalast!“ (zu deutsch: „Rettet den Turmpalast!“) angemeldet. Eine Nutzerin fordert dazu auf, Spenden zu sammeln, um das Gebäude den Investoren abzukaufen. Fleißig kommentieren sie jeden Artikel, der im Internet zu dem Abriss des Kino-Gebäudes im Internet erscheint.


Doch es geht ihnen nicht nur um das seit dem Jahr 1927 bestehende Kino, das schon bessere Tage gesehen hat. „Für die Frankfurter ist das ein kultiger, liebgewonner Ort“, sagt der Frankfurter Architekt, und Facebook-Aktivist Kay Mack. „Die Stadt verliert zunehmend ihr Gesicht“, fügt er hinzu. Ihm gehe es nicht allein um den Erhalt des Kinos, sondern auch darum, dass solche kostbaren Bauten, in denen sich Stadtgeschichte abgespielt hat, geschützt werden müssen.

Das Haus der Nitribitt ist ein Teil Frankfurter Geschichte


Kay Mack

Gemeint ist die Geschichte der Frankfurter Luxus-Prostituierten Rosemarie Nitribitt. Sie wurde am 1. November 1957 mit einer Platzwunde am Kopf und Würgemalen am Hals tot in ihrer Wohnung in der Stiftstraße 36 am Eschenheimer Turm aufgefunden. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, dass sie Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten, wie dem Industriellenerben Gunter Sachs, hatte. Der Mordfall wurde nie aufgeklärt, diente aber als Stoff für ein Buch und Filme.


Doch nicht nur das spielt für die Internet-Nutzer, die für den Erhalt des Turmpalast-Kinos kämpfen, eine Rolle: Für viele gehört die bunt-beleuchtete Ecke rund um den Turm zum Frankfurter Stadtbild einfach dazu. „Ich kann mir Frankfurt ohne die kultige Detektiv-Tudor-Werbung gar nicht vorstellen, damit raubt man mir ein Stück meiner Kindheit“, schreibt eine Facebook-Nutzerin.

Politiker gehen zu weit


„Ich habe mich nie für etwas engagiert, aber langsam gehen mir die Politiker zu weit“, sagt Mack. Er erinnert an Gebäude, die schon aus dem Stadtbild verschwunden sind: „Das grandiose Stadtbad Mitte aus den 50ern, das Rundschau-Haus, ebenfalls eine elegante 50er-Jahre Architektur, die städtebaulich perfekt den Bogen in die Stiftstraße schuf. Es hätte niemals abgerissen werden dürfen.“
Für Mack seien das klare Fehlentscheidungen der Politik. Doch er stellt klar: „Ich richte mich nicht grundsätzlich gegen Neues und Modernes. Im Gegenteil: Ich liebe die Kontraste in einer Stadt, das macht sie erst interessant. Man muss auch nicht jedes alte Gebäude retten, aber die, an denen den Bürgern so viel liegt und die so viel Frankfurter Geschichte erzählen.“


Liebhaber des Turmpalastes gibt es viele. Täglich melden sich bis zu hundert neue Facebook-Nutzer bei der Gruppe „Save The Turmpalast!“ an. „Aktionen, Unterschriftensammlungen und Demos halte ich für möglich, wenn die Gruppe sich weiter vergrößert“, sagt Mack. „Doch muss sie erstmal noch größer werden, bevor das Sinn macht“, fügt er hinzu.

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