Eltern und Kinder sind empört

Nach 30 Jahren: TSG Bürgel trennt sich von schwangerer Ballett-Trainerin

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Marianne Wycisk mit ihren Ballettkindern bei einem Auftritt. Die Trainerin wird nach ihrer Schwangerschaft wahrscheinlich nicht mehr für den Verein tätig sein.

Offenbach/Obertshausen – Mehr als vier Jahre war Marianne Wycisk die Trainerin von über 30 Ballettmädchen der TSG Bürgel. Doch damit ist jetzt Schluss. Weil Wycisk hochschwanger ist, sucht sich der Verein eine neue Leiterin. Zum großen Ärger der Eltern und Kinder. Von Mareike Palmy

Marianne Wycisk

Böse Facebook-Einträge, Vereinsaustritte, entrüstete Eltern, viele Tränen und lange Gesichter bei den Ballettschülern – damit hat die TSG Bürgel derzeit zu kämpfen. Denn was sich am Donnerstag vor einer Woche in den Trainingsräumen der ESO-Sportfabrik abgespielt hat, sorgt für mächtig Zoff im Verein.

Ich wurde mitten aus dem Unterricht geholt und mir wurde in einem kühlen Nebenraum hinter verschlossener Tür die mündliche und fristlose Kündigung ausgesprochen. Schließlich könne ich nicht erwarten, dass man mir den Job drei Monate lang freihalten würde“, sagt die hochschwangere Ballettlehrerin Marianne Wycisk verärgert.

Seit fast fünf Jahren betreut die 33-jährige Obertshausenerin die drei Ballettklassen des Vereins und verbringt ihre Nachmittage mit „Pas de deux“ und „Pliés“. Viel Herzblut und Zeit hat sie in ihre Kinder-Ballettgruppen gesteckt. Doch statt einem Abschied mit Blumen, gab es jetzt den Rauswurf.

Schockiert und traurig

Ich bin schockiert und traurig über die Vorgehensweise eines Offenbacher Vereins, für den ich jahrelang tätig war und drei gut laufende Gruppen aufgebaut habe. Zwar gab es keinen richtigen Vertrag, aber ich hatte nicht mal die Möglichkeit, mich von den Kindern und Eltern zu verabschieden“, so die Ballettpädagogin.

Auch zahlreiche Mütter und Väter ihrer Schüler sind über den plötzlichen Rauswurf entsetzt und lassen ihrer Wut in E-Mails an die TSG Bürgel freien Lauf.

Vom Verein heißt es aber nur: „Zeitpunkt und Ablauf des Gespräches waren zugegebenermaßen unsensibel gewählt. Die Abteilungsleiterin Katja Kühn hatte sich allerdings vorher mit den Vorstandmitgliedern abgesprochen.“ Der Rauswurf sei auch nicht von längerem geplant gewesen, hieß es im Gespräch zwischen Abteilungsleiterin Kühn und Übungsleiterin Wycisk, denn mit deren Leistung war die TSG Bürgel eigentlich zufrieden. „Der Erfolg ihrer Arbeit ist unstrittig, sie findet positive Resonanz. Für die Zeit der Schwangerschaft von Frau Wycisk hat die TSG aber eine adäquate Vertretung gefunden. Aus Planungsgründen sah die Abteilungs- und Vereinsleitung nun keine Möglichkeit, Frau Wycisk eine feste Zusage zur Weiterbeschäftigung nach der Schwangerschaft zu geben“, heißt es in der schriftlichen Mitteilung des Vereinsvorstandes.

Keine plausible Begründung

Für Marianne Wycisk ein Schlag ins Gesicht: „Mir wurde keine plausible Begründung genannt, schon gar keine, die es berechtigen würde, mir dies hochschwanger so kurzfristig mitzuteilen. Ich bin entrüstet. Und da soll man in Deutschland noch Kinder kriegen?“, so Wycisk verärgert. Damit die Tränen auf dem Tütü-Röckchen bald wieder trocknen, zeigt sich der Verein aber gesprächsbereit: „Die TSG ist gerne bereit, noch einmal mit Frau Wycisk über die Vorgänge zu sprechen. Ebenso werden wir uns mit den Eltern der Balettkinder unterhalten“, so der Vorstand.

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