Trotz tödlichem Risiko: Viele Eltern lassen Kinder nicht pieksen

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Gegen Masern, Mumps und Röteln sind mehr als 90 Prozent der Kinder im Main-Taunus-Kreis geimpft. Gegen Windpocken aber nur gut 60 Prozent.

Taunus – Fast 92 Prozent der Schulkinder im Main-Taunus-Kreis sind gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Windpocken scheinen aber viele Eltern nicht ernst zu nehmen: Nur 59,2 Prozent der Kinder sind gegen diese Krankheit geimpft. Von Julia Renner

Das Impfniveau will Michael Cyriax, Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises, noch weiter erhöhen. Er möchte, dass 95 Prozent aller Schulkinder gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft sind: „Diese Marke haben wir uns gesetzt.“ Einen Beitrag dazu soll ab sofort eine kostenlose Impfberatung leisten, die der Kreis im Gesundheitsamt anbietet.

Trotz der hohen Impfquote wurden in diesem Jahr bereits acht Masernfälle im Main-Taunus-Kreis gemeldet. Damit nimmt der Kreis einen Spitzenplatz in Hessen ein. In der Stadt Frankfurt wurden zwar bereits 67 Fälle registriert. In vergleichbaren Kreisen liegen die Werte laut Robert-Koch-Institut jedoch deutlich darunter. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg beispielsweise sind es drei Fälle, in Waldeck-Frankenberg lediglich einer. „Die Impfquote bei Masern ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen“, sagt Judith Petschelt vom Robert-Koch-Institut in Berlin.

Diskussionen und kritische Nachfragen

Besorgniserregend ist dagegen die Impfrate bei Windpocken. Im Jahr 2006 wurden 29,8 Prozent der Kinder im Main-Taunus-Kreis gegen Windpocken geimpft. 2010 waren es 59,2 Prozent. Zu wenig, findet die Bad Homburger Kinderärztin Barbara Mühlfeld. „Das macht mir Sorgen“, sagt die Sprecherin des hessischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Sie weiß: Windpocken können im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Bei Erwachsenen und auch bei Kindern.

Dass trotzdem viele Eltern ihre Kinder nicht gegen Windpocken impfen lassen, begründet die Ärztin damit, dass viele Eltern verunsichert seien. „Es gibt viele Impfgegner, wir Mediziner sind nur noch eine Stimme unter vielen.“ Mit „kruden Argumenten“ ließen sich Mütter und Väter verunsichern. Das bekommt die Kinderärztin fast täglich zu spüren: „Es gibt oft Diskussionen und kritische Nachfragen.“

Weil Barbara Mühlfeld und ihr Praxis-Kollege bekennende Impfbefürworter seien, würde es ab und an sogar vorkommen, dass Eltern die Praxis wechseln und zu einem Arzt gehen, der dem Thema Impfen weitaus kritischer gegenüber steht.

Dabei sei eine hohe Impfquote bei Kindern äußerst wichtig. Denn bei Erwachsenen können die Windpocken „wesentlich schwerwiegender verlaufen“. Die Sprecherin des Berufsverbandes fordert Solidarität. Denn nur, wenn alle Kinder geimpft würden, sei die Krankheit auszurotten.

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