Trotz positiven Gutachtens schickt Amtstierärztin Schafe zum Schlachter

Obersthausen – Die grausame Geschichte um Amtstierärztin Evelin Jugl und Schäfer Gottfried Walter geht weiter. Jetzt sind schon wieder die Schafe weg! Jugl hat nach elf Monaten erneut die Herde des Obertshauseners abtransportieren lassen. 496 Tiere an der Zahl. Ihr Vorwurf: Ein krankes Schaf, fehlende Bestandsregister und fehlende Bestätigungen über tierärztliche Behandlungen. Von Christian Reinartz

Das Unglaubliche: Schäfer Walter hat alle Unterlagen sauber abgeheftet. Er behauptet: „Ich wollte sie vorzeigen, aber die Frau hatte kein Interesse daran.“ Stattdessen ließ die Veterinärin schonungslos aufladen und die Schafe, so Gottfried Walter, zum Schlachter bringen.

Der Kreis behauptet, dass Walter keinen Nachweis über Tierarztbehandlungen führt. Doch er hat alles abgeheftet.

Mit Unterstützung der Polizei war die Amtstierärztin in den frühen Morgenstunden des 3. Dezember angerückt. Während die Polizisten Schäfer Gottfried Walter in seiner Küche festhielten, begann sie mit dem Aufladen der Schafherde. „Das ist die Rache“, mutmaßt Walter.

Das kranke Schaf, das Jugl in ihrer Begründung anführt, ist mittlerweile tot. „Dabei hatte ich es gerade aufgepäppelt. Ihm ging es schon viel besser“, erinnert sich Gottfried Walter. Aber als Jugl das Schaf gesehen habe, habe sie ihm befohlen, das Tier vor ihren Augen mit dem Bolzenschussgerät zu töten. Walter stehen Tränen in den Augen: „Das war grausam.

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Ende Januar hatte Evelin Jugl schon einmal dieselben Schafe abtransportieren lassen. Offiziell wegen der Krankheit Moderhinke. Über 60 teils wenige Stunden alte Lämmchen waren dabei von ihren Müttern getrennt worden. Viele waren wegen der fehlenden Muttermilch auf dem 36-stündigen Horrortransport nach Thüringen jämmerlich verendet. Nur weil der dortige Amtstierarzt des Saale-Ohrla-Kreises Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Transports hatte und die Herde als gesund bezeichnete, wurden die Tiere wieder an Walter zurückgeschickt. Der zog die ausgehungerten Lämmchen mit der Flasche auf, während Jugl eine Dienstaufsichtsbeschwerde kassierte.

Auch das Bestandsregister ist auf dem aktuellen Stand.

Doch für Jugl war das nicht genug. „Es ist, als wenn sie die Rechnung von damals begleichen wollte“, sagt Walter. Und tatsächlich: Der Bescheid, mit dem sie die Schafe jetzt einkassiert hat, ist der gleiche wie im Januar. Dass sich der Zustand der Herde seit damals wesentlich gebessert hat, ließ die Veterinärin dabei offenbar außer Acht.

Dabei kommt ein aktuelleres Tierhaltungs-Gutachten vom Groß-Umstädter Sachverständigen Hans Heil vom 12. September zu einem anderen Urteil: „Die Herde von Herrn Walter war in einem sehr guten Gesundheits- und Futterzustand.“ Dass sich daran bis zur Wegnahme am 3. Dezember etwas geändert haben könnte, bezweifelt Heil: „Die Tiere zeigten großes Vertrauen zu Walter, und er pflegte einen sehr liebevollen Umgang ihnen. So etwas kann man nicht vorspielen.“ Auch der behandelnde Tierarzt Pawel Piotrowski ist sicher: „Alles war in Ordnung.

Wegen diesem Transport kassierte Jugl im Januar eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Gottfried Walter steht jetzt vor den Scherben seiner Existenz. Seine geliebten Schafe sind beim Schlachter, er verdient keinen Cent mehr, muss sein Haus verkaufen. Dennoch will er den Rechtsweg bis zu Ende gehen. Aber mehr als Genugtuung und etwas Geld wartet dort nicht auf ihn. Andere Schafe kaufen, kommt für ihn nicht in Frage. „Frau Jugl hat mir die Herde kaputt gemacht. Und ohne die eigene Herde ist ein Schäfer kein Schäfer mehr.

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