Offenbach hinkt mit der Biotonne hinterher

Trotz Antrag: Stadt holt Biotonne nicht ab

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Irmgard Keil kompostiert selber. Sie bekam die Biotonne, obwohl sie den Nicht-Antrag schickte.

Offenbach – Einsam und verlassen steht die Biotonne von Irmgard Keil vor ihrem Haus. Dabei hat die Offenbacherin Antrag auf Kompostierung gestellt. Trotz mehrerer Hinweise und Beschwerden wurde der Behälter erst vier Wochen später abgeholt. Von Dirk Beutel

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Die Biotonne wird ab 1. Januar zur Pflicht. Wer aber wie Irmgard Keil einen Garten und die Möglichkeit zu kompostieren hat, kann sich auf Antrag hin von der Biotonne befreien lassen. Das wollte die Offenbacherin ebenfalls. Bereits im November hat sie das entsprechende Formular aus dem Internet heruntergeladen, ausgefüllt und an den Stadtdienstleister ESO abgeschickt. „Allerdings habe ich nie eine Antwort oder sonst eine Reaktion auf meinen Antrag erhalten“, sagt Keil. Umso erstaunter zeigt sie sich, als sie eines Morgens vor ihrer Haustür eine schwarze Biotonne vorfindet. „Sie ist eindeutig an mich adressiert“, sagt Keil: „Aber ich brauche die Tonne nunmal nicht. Ich habe ein eigenes Grundstück mit zwei Komposthaufen. Mit der Zeit ärgert mich, dass hier die Tonne sinnlos herumstehen muss.“

Die Offenbacherin rührte die Tonne nicht an, vier Wochen lang nicht. „Wir haben 15.000 Behälter in Offenbach verteilt. Da kann es durchaus passieren, dass man keine 100- prozentige Punktlandung hinbekommt,“ sagt ESO-Sprecher Oliver Gaksch. Und er erklärt: „Der Fall ist zwar unschön für alle Beteiligten, aber der Dame, die zu einer Handvoll von Einzelfällen gehört und bei der wir uns entschuldigen, ist dadurch kein Nachteil entstanden.“

Über die Einführung der für Offenbach neuen Biotonne wurden nach ESO-Angaben alle Gebührenzahler per Anschreiben informiert: „Darüber hinaus gab es Vorschläge zu Behältervolumen bei den Restmülltonnen und der Kompostierung.“ Aber auch, wer einen Antrag gestellt hat, bekam eine Tonne vor die Tür gesetzt. Gaksch: „Wir arbeiten jetzt jeden dieser Fälle nacheinander ab.“ Trotz solcher Vorfälle sei die Verteilung alles in allem gut verlaufen. Darüber hinaus wurden auch anfängliche Sorgen über Platzprobleme für die zusätzliche Tonne oder Geruchsbelästigung in Informationsveranstaltungen oder Einzelgesprächen zerstreut. „Andere Städte und Gemeinden haben längst die Biotonne. Wir ziehen jetzt nach und werden das auch hinbekommen“, sagt Gaksch. Zumindest der Abtransport der arbeitslosen Biotonne bei Irmgard Keil hat nach dem Anruf des EXTRA TIPPs schonmal geklappt.

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