Obwohl beim Mobilitäts-Service angemeldet

Bahn versagt: Rollstuhlfahrerin zweimal im Zug vergessen

+
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, ist für Ilona Schmidt sowieso nicht einfach. Sie ist auf Hilfe angewiesen. Vor allem beim Ein- und Ausstieg in einen Zug. Doch der vorab angemeldete Mobilitäts-Service der Deutschen Bahn ließ die Seniorin zweimal im Stich.
  • schließen

Offenbach – Während der Zugreise von Ilona Schmidt hat der gebuchte Mobilitäts-Service der Deutschen Bahn zweimal versagt. Obwohl sich die an Multiple Sklerose erkrankte Frau den Service sogar telefonisch bestätigen ließ. Von Dirk Beutel

Ihr Blick ist leer. Sie kann nur noch den Kopf schütteln. Eigentlich war alles für ihre Reise nach Dresden vorbereitet. Alles. Trotzdem wurde Ilona Schmidt von der Deutschen Bahn hängen gelassen. Zweimal während ihrer Zugfahrt von Frankfurt nach Dresden.

Die 74-Jährige leidet seit 20 Jahren an Multipler Sklerose. Seit zwei Jahren ist sie auf ihren Rollstuhl angewiesen. Als die Offenbacherin beschließt, mit ihrer Freundin Helene Schlösser wegen einer Feier nach Dresden zu fahren, bestellen sie sich den Mobilitäts-Service der Deutschen Bahn, der wirbt: „Deutschlandweit verfügen fast alle Bahnhöfe des Personenfernverkehrs über Hublifte oder Rampen als mobile Einstiegshilfen, um Ihnen auch die Benutzung kleinerer und mittelgroßer Bahnhöfe zu ermöglichen.“ „Ich habe den Service online gebucht und mir sogar einen Tag vor der Abreise bestätigen lassen, dass alles in Ordnung geht“, sagt Schmidt.

Keiner hilft Seniorin aus dem Zug

Doch bei der Ankunft in Dresden kam die Überraschung: Von einem Bahn-Mitarbeiter mit einem Hublift weit und breit keine Spur. „Es war keiner da, der mir aus dem Zug helfen sollte“, sagt Schmidt. Erst als eine Zugbegleiterin nachhorcht, kommt der zuständige Mann. „Das war insofern nicht ganz so schlimm, weil Dresden die Endstation war“, sagt Schmidt. „Aber als wir nachfragten, gab der Mann zu, dass er von unserer Ankunft nichts wusste“, sagt Schlösser. Ähnliches Spiel wenige Tage bei der Ankunft am Bahnhof in Frankfurt-Süd. Wieder keine Spur von einem Mitarbeiter des Mobilitäts-Service. „Nur diesmal handelte es sich um eine Zwischenstation. Der ganze Zug musste auf uns warten, bis wir draußen waren“, sagt Schlösser. Eine äußerst unangenehme Situation. „Wie kann so etwas im 21. Jahrhundert in einem hochtechnisierten Land wie Deutschland überhaupt passieren“, fragt Schlösser fassungslos.

Deutsche Bahn bedauert den Vorfall

Bei der Deutschen Bahn ist man der Sache nachgegangen und bedauert den Vorfall: „In Dresden lag unserem Mitarbeiter die wesentlich später eingegangene Nachmeldung der Reisenden leider nicht rechtzeitig vor, so dass er erst das in der Nähe stehende Rollstuhlhubgerät geholt und dann die Ausstiegshilfe geleistet hat. In Frankfurt-Süd war unser Mitarbeiter im Rahmen einer vorangegangenen Hilfeleistung bei einem verspäteten Zug im Einsatz und konnte dadurch leider nicht pünktlich am Treffpunkt erscheinen und den Service leiste“, sagt Bahn-Sprecherin Regina Marusczyk. Schmidts Glück: Sie war nicht alleine unterwegs. „Alleine hätte ich diese Strapazen nie und nimmer durchgestanden.“

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

Kommentare