Landwirte und Rinderhalter im Taunus sauer

Tretminen sorgen für haufenweise Ärger

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Frank Bell kann die Aufregung der Landwirte nicht verstehen.

Taunus – Hundekot auf Gehwegen ist nicht nur in den Stadtgebieten der Hochtaunus-Kommunen ein Dauerbrenner-Ärgernis. Auch auf Acker- und Grünflächen kommt es immer häufiger zum Streit zwischen Landwirten, Jägern und Hundebesitzern. Von Mareike Palmy und Dirk Beutel

Privates Warnschild in Hofheim: „Hier ist ein Garten mit Obst und Gemüse und kein Hundeklo.“

Im Taunus ist sprichwörtlich die Kacke am Dampfen. Vor allem Landwirte schimpfen über rücksichtslose und unverbesserliche Hundebesitzer, die unbedarft mit den Hinterlassenschaften ihrer Tiere umgehen. Ein Dauerproblem in den Hochtaunus-Kommunen: „Auf den Feldern hat ein Hund nix zu suchen. Die sind tabu“, sagt Jörg Steden vom Landwirtschaftlichen Förderverein Oberursel und Umgebung. Der Landwirt, selbst Hundebesitzer, ärgert sich massiv über die „geringe Einsicht“ der Hundebesitzer und die ständigen Diskussionen am Feldrand. Jeden Tag passieren zahlreiche Hunde samt Ausführer die Acker- und Grünflächen von Steden auf denen er zum Beispiel Äpfel anbaut. Neben dem laufenden Streit hat die Verunreinigung auch wirtschaftliche Folgen für die Bauern. „Das Problem ist gewaltig und wird immer schlimmer. Die Leute lassen ihren Hund einfach querfeldein durch das Saatgut trampeln. Das macht mir die Arbeit kaputt.“ Die Dummen sind am Ende die Bauern, auch deshalb, weil Pferde und Kühe das aus den Wiesen gewonnene Heu nicht anrühren oder sogar daran sterben. Georg Braun ist Ortslandwirt und einer von zwei Rinderhaltern in Oberursel. Er warnt: „Wegen Hundekot im Futter sind vor allem die Kälber gefährdet.“ Bisher sei zwar noch nichts passiert, doch die Angst, dass eines seiner Rinder, wegen verseuchtem Futter verenden könnte, ist allgegenwärtig. , liegen die schwarzen Plastiktüten am Feldrand. Stöcke und Bällchen hab‘ ich schon aus der Erntemaschine rausgeholt, weil die gestreikt hat“, sagt Steden. Auch Pferdezüchter Andreas Ruppel kennt das Problem, das er vor allem auf seinen Heuwiesen hat: „Die sind komplett vermint. Allein dieses Jahr habe ich schon zwei komplette Ballen wegschmeißen müssen.“

„Wenn die Hunde nicht direkt auf die Felder machen

Hundebesitzer Frank Bell aus Hofheim kann die Diskussion nicht nachvollziehen. Er führt drei- bis viermal am Tag seine beiden Hunde Gismo und Maja durch die Felder hinter dem Thüringer Weg. Schon oft hat er sich wegen der Hunde Diskussionen mit den Landwirten geliefert. „Im vergangenen Sommer hätte mich beim Gassigehen ein Bauer fast mit seinem Traktor über den Haufen gefahren. Ich konnte gerade noch so aus dem Weg hüpfen“, sagt der 37-jährige Geschäftsmann. „Die übertreiben hier doch. Ich bin noch keine hundert Meter gelaufen und hatte schon drei Hundeklo-Verbotsschilder auf meinem Weg.“

Die gibt es auch in Oberursel. Doch was man wesentlich häufiger findet, sind kleine schwarze Plastiktüten mit Hundekot. Statt in einem Mülleimer entsorgt, wurden sie einfach liegen gelassen oder achtlos weggeworfen. Sogenannte Dog Stations, aus denen man Plastiktütchen zur Hundekot-Entsorgung entnehmen kann, scheinen daher das Problem auch nicht zu lösen.

Mittlerweile spricht auch die Stadt Oberursel das Hundekot-Problem offen an: „Wir haben sehr oft Beschwerden am Bürgertelefon. Dabei kann so ein Hundehaufen ganz schön teuer werden. Bis zu 10.000 Euro Bußgeld kostet so eine stinkende Hinterlassenschaft, wenn die die Ordnungspolizei den Hundehalter erwischt“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung.

„Für was zahle ich denn Hundesteuer?“, fragt Hundebesitzer Bell. Das Argument kennt auch die Stadt Oberursel: „Die Hundesteuer ist kein Freibrief, sondern eine Populationssteuer. Durch diese soll die Anzahl der Hunde begrenzt werden“, heißt es. Sie gebe keinem Hundehalter das Recht Äcker, Felder oder Parks als Hundetoilette zu missbrauchen.

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