Amt treibt Hundemama in Hartz IV

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Ein Bild aus glücklichen Tagen: Beate von Hönes Hunde-Kindergarten lief gut, bis das Amt die Vorschriften rauskramte.

Dietzenbach – Paragrafen-Reiterei brutal: Mühsam hat sich Beate von Höne mit einer Hundetagespflege aus der Arbeitslosigkeit herausgekämpft. Doch Stadt und Kreis treiben sie jetzt wieder in die Stütze. Von Höhne klagt an: „Denen sind ihre Vorschriften wichtiger, als die Menschen.“ Von Christian Reinartz

Auf einem abgelegenenGartengrundstück, im Westen der Kreisstadt Dietzenbach, fast 500 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt, wollte Beate von Höne ihre neue Karriere starten. Mit einem Kindergarten für Hunde. „Ich wollte nicht Hartz IV beziehen und hab‘ deshalb was Eigenes auf die Beine gestellt“, sagt von Höne.

Drei Jahre geht alles gut. Mehrere Dietzenbacher nehmen das Angebot an, geben ihre Hunde während der Arbeitszeit in Hönes Hände. Bis das Veterinäramt des Kreises Offenbach auf die Unternehmerin aufmerksam wird.

„Die haben mir hier die Hölle heiß gemacht“, sagt von Höne. Der Sachkundenachweis fehlt. „Aber den hätte ich ja sofort nachgemacht“, beteuert die 55-Jährige, die sich selbst als Hundemama bezeichnet. Doch darauf habe sich das Veterinäramt nicht eingelassen. Stattdessen informierte der Kreis das Dietzenbacher Bauamt – der Anfang vom Ende des kleinen Unternehmens.

Denn als das Dietzenbacher Amt den Fall prüft, kommt man im Rathaus zu dem Schluss: Die Tagespflege muss weg! Obwohl sich auf dem Grundstück nicht viel mehr als Wiese, ein paar Bäume und eine kleine Gartenhütte befinden.

Amt macht keine Ausnahme

Gnadenlos pocht das Amt auf seine Paragrafen, weil dort laut Flächennutzungsplan kein solcher Betrieb zulässig sein soll. Von Hönes Anwalt wird gleich mit mehreren Begründungen bombadiert, warum die Hundetagespflege dort geschlossen werden muss. Vor allem wird bemängelt, dass von der Hundepension „schädliche Umwelteinwirkungen, insbesondere Hundelärm, ausgehen“ können. „Dabei ist hier direkt nebendran ein Bauernhof und ein Pferdegestüt. Da bellen ständig irgendwelche Hunde“, sagt von Höne. „Das, was die beim Amt machen, ist doch Willkür.“

Die Leiterin der Abteilung Stadtplanung im Dietzenbacher Rathaus sieht das freilich anders. „Wir müssen uns an die Vorschriften halten.“ Und die besagen: Eine Hundetages pflege ist keine privilegierte Nutzung. Aber nur die ist erlaubt, wie etwa ein Bauernhof oder ein Pferdegestüt. Die Abteilungsleiterin weiter: „Frau von Höne könnte mit ihrem Betrieb ja auch in ein Gewerbegebiet umziehen.“ Eine Ausnahme komme zudem nicht in Frage, da Belange des Naturschutzes berührt würden und eine solche Tagespflege nicht mit dem Flächennutzungsplan vereinbar sei. Die Leiterin: „Das persönliche Schicksal ist nichts, was im Baugesetz eine Rolle spielt.“

Beate von Höne lebt derweil von Hartz IV. Sie ist verzweifelt: „Stadt und Kreis machen mich kaputt, weil denen Paragrafen mehr bedeuten, als ihre Bürger.“

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