Ismail Tipi

„Pierre Vogel gefährdet unsere Demokratie“

+
CDU-Abgeordneter Ismail Tipi aus Heusenstamm zeigt ein Video des Islampredigers Pierre Vogel.
  • schließen

Heusenstamm– Der Islamprediger Pierre Vogel fordert einen Islamstaat in Deutschland. Für den muslimischen CDU-Politiker Ismail Tipi aus Heusenstamm steht fest: Vogel ist ein gefährlicher Fundamentalist. Der EXTRA TIPP sprach mit Tipi darüber, die Hasspredigten verbieten zu lassen. Von Angelika Pöppel

 EXTRA TIPP: Warum halten Sie Pierre Vogel für einen Hassprediger?

Tipi: Offiziell ruft er nicht zu Gewalt auf. Er weiß ganz genau, dass er sich damit strafbar machen würde. Doch wie sich Pierre Vogel in seinen Predigten eine Gesellschaft vorstellt, ist mit unserer demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren. Er ist gegen Demokratie, gegen einen Rechtsstaat und er will einen Gottesstaat aufbauen. Die westliche Staatsform bezeichnet er als Feind. Allein das ist ein Grund zu sagen, er ist ein Hassprediger und Anhänger des fundamentalistischen Islam.

EXTRA TIPP: Was sind seine konkreten Forderungen?

Tipi: Er ruft offiziell zu 100.000 Dawa-Zentren auf. Vogel schreibt, wenn die Menschen in der Moschee keine Unterstützung für seine Sache bekommen, dann sollen sie ihre Wohnungen und Häuser anbieten.

EXTRA TIPP: Was ist das gefährliche an den Dawa-Zentren?

Tipi: Sie sind unkontrollierbar. Alle großen Terrororganisationen oder Untergrundorganisationen haben mit einer kleinen Zellenstruktur angefangen. In diesen untergründigen Zellen, wo sich Menschen treffen und über ihre Gesinnung sprechen, werden Schläfer herangezüchtet. Das es ein großes Problem, auch in Deutschland, mit Schläfern gibt, haben wir zuletzt am Frankfurter Flughafen gesehen. Das war der erste fundamentalistisch-islamistische Anschlag auf deutschem Boden. Dieser Attentäter hat angegeben, dass er ein Anhänger von Pierre Vogel ist.

EXTRA TIPP: Wen spricht Pierre Vogel gezielt an?

Tipi: Vogel spricht die Sprache der Jugend. Das habe ich an seiner Veranstaltung am Frankfurter Rossmarkt selbst erlebt. Er versucht die Jugendlichen durch ihre Sprache zu fangen. Gerade junge Menschen, die labil oder in ihrem Glauben nicht so fest verankert sind, die sind gefährdet. Er spricht auch ganz klar die deutschen Jugendlichen an.

EXTRA TIPP: Warum glauben Sie, dass er eine Islampartei gründen will?

Tipi: Auf seiner Internetseite schreiben seine Anhänger Kommentare, dass es schon längst an der Zeit sei, eine Islampartei zu gründen. Bis 2013 soll das stattfinden, damit er auch für den Bundestag kandidieren kann. Und sie wollen auf die Struktur achten und die Gesetze genau beobachten, damit es nicht zu einem Parteiverbot kommen kann. Die Art und Weise, wie er vorgeht, ist ein Schema, nach dem auch andere Terrororganisationen vorgehen. Seine Auftritte und die Organisation kosten viel Geld. Ich bin davon überzeugt, dass hinter ihm mächtige fundamentalistische Organisationen stehen.

EXTRA TIPP: Sie wollen seinen Verein „Willkommen im Paradies“ verbieten lassen. Warum?

Tipi: Wenn Vogel es schafft, eine Partei zu gründen, ist diese schwieriger zu verbieten. Wir dürfen nicht warten bis es zu spät ist. Als Partei können sie öffentlich agieren, können ihren Wahlwerbespot unzensiert senden. So haben sie die Möglichkeit, Millionen Zuschauer zu erreichen.

EXTRA TIPP: Glauben Sie, dass seine Islampartei auch gewählt wird?

Tipi: Tatsache in Deutschland ist, dass die Gesellschaft älter, weniger und bunter wird. Statistisch gesehen wird es in 20 Jahren 50 Prozent Migranten geben. Gerade die Migranten, die sich zum Islam bekennen, aber nicht radikal sind, könnten die Islampartei wählen, weil sie glauben diese könnte ihre Interessen besser vertreten. Ich bin selbst Moslem und weiß: Der Islam ist friedlich. Die Mehrheit der Muslime in Deutschland ist demokratiefreundlich. Und die meisten wollen keinen Gottesstaat, wie im Iran oder in Afghanistan. Fundamentalisten wollen nach dem Koran leben, legen diesen aber so aus, wie sie es wollen. Jeder, der die freiheitliche Grundordnung erhalten will, muss die Augen offen halten. Deshalb appelliere ich auch an jeden friedlebenden Moslem, an muslimische Vereinigungen und Moscheen, sich öffentlich von den Hasspredigten zu distanzieren. Ich fordere sie auf: Zeigt Flagge, bekennt Farbe und sagt: Das ist nicht der Islam!

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

Kommentare