Das sagen Liebhaber, Tierschützer und Zoos

Politik will Import von Exoten in die EU verbieten

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Gewerbliche Tierbörsen mit exotischen Tieren wie der Vogelspinne könnten zukünftig verboten werden

Region Rhein-Main – Aufregung bei Wildtierliebhabern! Der aktuelle Koalitionsvertrag der CDU/CSU und SPD sieht ein Verbot für den Import von exotischen Tieren in die EU vor. Das sorgt für mächtig Ärger. Von Fabienne Seibel 

Wenn das Verbot kommt, folgt für viele (Hobby-)Tierhalter das Aus. „Die Heimtierhaltung würde zusammenbrechen, und wenn auch gewerbliche Börsen verboten werden, hätte das wirtschaftliche Auswirkungen, die für die Heimtierindustrie und den Handel nicht abschätzbar sind“, sagt Lorenz Haut, Geschäftsführer des Bundesverbands für fachgerechten Natur- und Artenschutz   (BNA).

Mit Tierschutz habe das nicht viel zu tun, meint Haut. „Mit Verboten kommen wir nicht weiter, denn damit öffnet man einen illegalen Bereich und der Schmuggel wird angetrieben.“

"Schmuggel wird damit angetrieben"

Wichtiger ist es, Haut zufolge, dass Halter von exotischen Tieren wie Vogelspinnen, Echsen oder Schlangen stärker kontrolliert werden. Zudem sollten sie Nachweise erbringen, dass sie nötiges Fachwissen besitzen, um diese Tiere zuhause zu halten. „Für den Schutz von Tieren müssen höhere Haltungsanforderungen gestellt werden. Wir vom BNA wollen auch nicht, dass jeder zuhause ein gefährliches Tier hält, deshalb muss man in diesem Bereich ansetzen.“ Der BNA fordert deshalb, dass sich Tierhalter bessere Kenntnisse aneignen, Haltungssysteme aufgebessert und Personal im Groß- und Zoofachhandel besser geschult werden.

Die Politik will jedoch nicht nur den Import, sondern auch gewerbliche Börsen mit exotischen Tieren verbieten. Andreas Menth von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) meint dazu: „Ich glaube, dass es Jahre dauern wird, das überhaupt durchzusetzen, denn diese Verbote werden Dinge nach sich ziehen, die niemand so richtig überblickt.“

Lange Frachtwege bedeuten Stress für Tiere

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So multikulturell sind die Tiere in frankfurt

Spinnenfreund und Züchter Sergio Neigert  kann das geplante Importverbot zumindest teilweise nachvollziehen. Der 26-Jährige versucht, mit Spinnen- und Insektenausstellungen Sympathie für die exotischen Tiere zu wecken und zeigt, wie wichtig sie für unser Ökosystem sind. „Ich befürworte es, Wildtier-Importe einzudämmen, denn die Tiere haben Stress auf den langen Frachtwegen, und natürlich geht es ihnen in ihrem ursprünglichen Lebensraum meist besser als in Terrarien“, sagt er.

Trotzdem meint Neigert weiter: „Ein komplettes Verbot finde ich kontraproduktiv für den Artenschutz, denn viele Tierbestände sind nicht wegen Importen gefährdet, sondern weil wir Menschen die Natur und die Lebensräume kaputt machen.“ Er ist überzeugt: „Erst indem wir uns exotische Tiere in Terrarien oder auch Aquarien halten, schützen wir damit ja Arten, die in der freien Natur bedroht sind.“

Tierbestände sind nicht wegen Transporten gefährdet

Auch Zoos und zoologische Gärten könnten durch das Verbot unter Druck geraten. Für den Zoo in Frankfurt sieht Direktor Manfred Niekisch  jedoch keine Gefahr, denn: „Wir greifen bei unseren Tieren auf Zuchtprogramme zurück.“ Der 62-Jährige sieht das Verbot von exotischen Wildtier-Importen jedoch höchst kritisch: „Das Verbot ist absoluter Murks, weil der Wildtier-Import schon durch das sogenannte Washingtoner Artenschutzprogramm geregelt ist. Es würde den Tieren und dem Artenschutz gut tun, wenn mehr für den Klimawandel getan werden würde. So ein Verbot bringt für Tiere und die Natur keine Besserung.“ Auch Lorenz Haut vom BNA sagt: „Es gibt wichtigere Sachen in unserem Land zu klären, als das angedachte Importverbot, das letztlich überhaupt nichts bringt.“

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