Tierschützer sägen Hochsitze an

Tierschützer sägen Hochsitze an

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Hochsitze werden immer öfter Opfer von Vandalen und Jagdgegnern.

Region Rhein-Main – Jäger inspizieren ihren Hochsitz zurzeit ganz genau, bevor sie einen Fuß auf die Leiter setzten. Denn in den letzten Tagen kam es immer wieder vor, dass diese angesägt waren. Einige Jagdstände in der Region wurden sogar umgeworfen und angezündet. Von Mareike Palmy

Schon seit Jahren versuchen autonome Tierschützer und militante Jagdgegner Hochsitze, Leitern und Kanzeln, die der Jagd dienen, aus Feld, Wald und Flur gezielt zu entfernen. Dabei wurden die Hochsitze beschädigt oder gleich komplett zerstört. Erst vergangene Woche lagen im Wald hinter der Groß-Umstädter Gemeinde Heubach wieder sechs Hochsitze umgeschmissen, angesägt oder komplett zerstört. Die hölzernen Aussichtshäuschen wurden mit Gewalt umgerissen und völlig demoliert. Schon im vergangenen Mai suchte die Polizei einen Unbekannten, der in den Wäldern in und um Darmstadt 13 Hochsitze zerstörte, indem er Leitern und Stützen ansägte.

Kein Dummer-Jungen-Streich

„Killerbuden“ nennen Jagdgegner wie die Gruppe „Sägenden Zellen“ oder „Die Tierberfreier“ die Hochsitze. Auf einschlägigen Internetseiten brüsten sie sich mit Sprüchen wie: „Wenn Hochsitze krachen, vergeht euch das Lachen“ oder „Heute gibt es Jägerschnitzel“. Ihr ausschließliches Ziel ist es, die „Jagd zu Fall zu bringen.“ Sogar komplette Anleitungen zu „Wie zerstöre ich einen Hochsitz“, finden sich im Netz.

Die Jagdpächter der Region sind über die kriminelle Energie der Vandalen entsetzt. Schließlich ist die Zerstörung von Hochsitzen kein Dummer-Jungen-Streich. „Es macht kein Spaß mehr ein Jäger zu sein, denn wir werden oft angefeindet“, sagt der Dietzenbacher Jäger Christian Peter. Auch in seinem Revier zwischen Offenthal und Dietzenbach wurden schon oft Hochsitze zerstört. So oft, dass er die meisten gar nicht wieder aufbaut.

Alexander Michel

Auch der Mühlheim er Jagdpächter Ernst Seibel kennt das Problem. Insgesamt schon vier Hochsitze sind in seinem Revier, dem Augenwaldgebiet, Vandalen zum Opfer gefallen. Vier weitere wurden in Lämmerspiel zerstört, weiß er von seinem Kollegen. „Erst vor kurzem wurde wieder eine Kanzel mit Farbe beschmiert“, sagt Seibel. Den Schaden schätz er auf rund 1000 Euro, hinzu kommen die Stunden für den Wiederaufbau der Sitze.

„Das ist ein unerfreuliches Problem im ganzen Bundesland, dass in der letzten Zeit immer mehr zunimmt. Doch nicht nur Jagdgegner, auch Randalierer zerstören immer wieder Hochsitze“, sagt Alexander Michel, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Hessen. Immer wieder würden dabei Jäger verletzt, denn „boshafterweise werden einige Hochsitze nicht nur umgesägt, sondern nur angesägt. Damit wird in Kauf genommen, dass sich jemand erheblich verletzen kann“, so Michel.

Die Jagd zu Fall bringen

Dabei sei das Umschmeißen und Unbrauchbarmachen von Hochsitzen kein Kavaliersdelikt, sondern Sachbeschädigung. Denn beim Ansägen der Leitersprossen kann es zu einer Körperverletzung kommen, gegebenenfalls mit Todesfolge, was allerdings extrem selten vorkommt. Befindet sich dazu noch eine Einrichtung des Naturschutzes, wie ein Fledermauskasten am Hochsitz, so verstößt die Zerstörung des Hochsitzes zudem gegen das Naturschutzgesetz.

„Das ist eine gefährliche Sache und wirklich bedauerlich, denn die Schäden sind nicht unerheblich. Aber die Jäger sind sensibilisiert und halten Augen und Ohren offen“, weiß Michel.

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