Ist das Tier zu anstrengend, kriegt‘s Psychopillen!

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Weil ihnen die Tiere zu anstrengend sind, machen immer mehr Besitzer sie mit Psychopharmaka gefügig.

Taunus – Jetzt drehen überforderte Tierbesitzer im Taunus völlig durch. Weil ihre Haustiere sich nicht immer so verhalten, wie sie es gerne hätten, machen sie sie mit Psychopharmaka gefügig. Tierschützer schlagen Alarm. Von Christian Reinartz

Unkontrolliertes Bellen und Miauen, Möbelkratzen, Unsauberkeit und Selbstverletzungen: Wer das nicht mehr mit ansehen will, geht mit seinem Haustier zum Tierarzt. Doch wo früher bei der Erziehung und den Lebensumständen des Tieres angesetzt wurde, verordnen heute viele Veterinäre Psychopharmaka. Medikamente, die auch depressive Menschen bekommen.

„Diesen Trend beobachten wir mit Sorge“, sagt Andrea Müller von der Tierschutzorganisation Peta. Das Schlimme: Das Verhalten der Tiere ist deren einzige Möglichkeit, sich ihren Besitzern mitzuteilen. Doch anstatt den Hilfeschrei ernst zu nehmen, werden die Unannehmlichkeiten einfach weggedröhnt. Dass so manche Katze danach nur noch apathisch in der Ecke liegt und viele Hunde nicht mal mehr bellen, wenn sie geärgert werden, empfinden immer mehr Tierbesitzer offenbar als wünschenswerten Normalzustand.

Stimmungsaufheller als notwendiges Behandlungsmittel

Christine Esch, Tierärztin, bei Peta, ergänzt: „Immer mehr Menschen legen sich ein Tier zu, ohne sich klarzumachen, was das bedeutet.“ Gibt es dann Probleme, sei die Bereitschaft groß, Psychopharmaka einzusetzen. Auch die Hofheimer Tierärztin Yvonne Crooks-Henze kennt die Problematik: „Stimmungsaufheller sind aber nur ein kleiner Teil einer ganzen Reihe von Möglichkeiten, mit denen wir Tiere behandeln können.“

Bei einigen Tieren sei eine Behandlung mit solchen Tranquilizern sogar unumgänglich, etwa bei Angsterkrankungen. „Unser Prinzip ist es, das Wohlbefinden der Tiere zu verbessern und nicht das der Besitzer.“ Herrchen, die ihre Tiere aus Befindlichkeitsgründen unter Medikamente setzen wollten, würde sie immer eine Absage erteilen.

Psychopharmaka auch im Zoo eingesetzt

Auch im Frankfurter Zoo verabreicht Tierärztin Dr. Christina Geiger gelegentlich Psychopharmaka. „Aber nur kurzzeitig, um zum Beispiel Antilopen auf einen Transport vorzubereiten, damit diese nicht in Panik verfallen.“ Dass Besitzer Anti-Depressiva einsetzten, um das natürliches Verhalten ihrer Tiere zu unterdrücken, hält Geiger für verwerflich. Ihre freien Tierarzt-Kollegen nimmt sie jedoch in Schutz.

„Wir als Ärzte müssen ja verhindern, dass die Tiere sich Schaden zufügen. Das geht oft nur mit Psychopharmaka, weil die Herrchen sich nicht ändern lassen“, sagt Geiger und ergänzt: „Vielleicht ist irgendwann die Tierarztrechnung so hoch, dass die sich eine halbe Stunde Zeit für ihre Tiere nehmen. Dann sind die Pillen auch überflüssig.“

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