Strom, Müll und Benzin immer teurer

Wer soll das bezahlen?

Nebenkosten sowie Fahrkarten und Benzin sind in den letzten Jahren gestiegen.

Region Rhein-Main – Mehr Netto vom Brutto? Von wegen. Energiepreise und Lebenshaltungskosten kennen nur eine Richtung: Nach oben. Dabei wissen viele schon jetzt nicht mehr, wie sie über die Runden kommen sollen. Der EXTRA TIPP zeigt, in welchen Bereichen den Menschen in Rhein-Main tief in die Tasche gegriffen wird.

Strom und Gas: Wen wundert´s? „Der Strompreis wird sich aller Voraussicht nach zum Jahreswechsel wieder erhöhen. Das tut er seit zwölf Jahren kontinuierlich“, sagt Florian Krüger vom Verbraucher-Portal Verivox. Im Oktober wird zum Beispiel die sogenannte EEG-Umlage, die alle Verbraucher für die Förderung von Strom aus Wind, Wasser oder Sonne zu zahlen haben, für 2013 veröffentlicht. Aktuell beträgt sie 3,59 Cent die Kilowattstunde. Wenn man von einer Erhöhung der Umlage von dreieinhalb Cent pro Kilowattstunde ausgehe, müsste eine Durchschnittsfamilie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden etwa 67 Euro mehr im Jahr zahlen. Die Zukunft des Gaspreises lässt sich dagegen nur schwer prognostizieren. Normalerweise zieht mit dem Ölpreis das Gas nach, aber: „Weil die Anbieter alle unterschiedliche Einkaufsstrategien verfolgen, ist der Markt nur schwer einzuschätzen“, sagt Krüger.

Benzin: Der volle Tank wird zum Luxus und trifft vor allem die Berufspendler. Seit Anfang der Woche haben die Spritpreise überall in Deutschland kräftig angezogen. Bis zu 1,77 Euro für den Liter Super sind keine optische Täuschung, sondern knallharte Realität. Laut ADAC wurde der Ladenhüter Super E10 um 4,4 Cent teurer, kostet gerade um die 1,70 Euro. Der Preis für Diesel stieg um 3,3 Cent an und hat mit mit 1,54 Euro im Schnitt ein neues Allzeithoch erreicht. Noch im Juli kostete E10 im Schnitt 1,58 Euro, Diesel 1,44 Euro.

Miete und Nebenkosten: Zentral und stadtnah wohnen bleibt in Zukunft wohl nur den Besserverdienern vorbehalten. Denn die Mietpreise in der Region steigen kontinuierlich. Im aktuellen Offenbacher Mietspiegel sind die Preise zwar innerhalb der vergangenen zwei Jahre stabil geblieben. „Mäßige Steigerungen von ein bis maximal zwei Prozent“, weiß Lothar Kirchner, Leiter des Wohnungsamtes in Offenbach, „sind aber zu erkennen.“ Die Durchschnittsmieten in Offenbach belaufen sich von 2,80 in der einfachsten Wohnlage bis hin zu 11,30 Euro für die gute Wohnlage. Im Vergleich zum Nachbarn Frankfurt ist Offenbach jedoch günstig. Denn auch hier steigt das Mietniveau kontinuierlich. In manchen Stadtteilen zahlt man sogar 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter. Und „einkommensschwache Frankfurter sehen sich daher immer öfter gezwungen, ins Umland oder die unattraktiveren Stadtteile zu ziehen“, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes Frankfurt. Dabei sind weniger die Kaltmieten die Preistreiber, wie der Verband Haus&Grund betont. Es sind die hohen Energiepreise, die als „zweite Miete“ die Nebenkosten in die Höhe treiben. In den vergangenen drei Jahren hätten die Beschwerden von Frankfurter Mietern über ihre Nebenkostenabrechnungen zugenommen. 5000 Beratungen im Jahr leistet die Behörde deswegen. „In der langfristigen Betrachtung sieht es noch weit schlimmer aus“, sagt Helmut Röscheisen vom Deutschen Naturschutzring. „Während die Kaltmieten seit 1995 um 24 Prozent gestiegen sind, stiegen die Energiekosten um satte 173 Prozent.“

Grundsteuer und Abfallgebühren: Bad Homburg erhöhte gerade erst zu Beginn dieses Jahres seine Grundsteuer von 240 auf 345 Prozentpunkte. Bereits im Januar 2011 hat Hofheim von 210 auf 310 Prozentpunkte erhöht. Nicht ganz so happig verteuerte sich die Steuer in Offenbach: Noch vor einem Jahr waren es dort 400 Prozentpunkte, derzeit sind es 430. Spitzenreiter ist Frankfurt. Obwohl sie seit 2001 nicht mehr erhöht wurde, bezahlen Eigentümer dort 460 Prozentpunkte. Jeder, der in seinen eigenen vier Wänden lebt, muss auch seinen Müll bezahlen. Da greifen die Bad Homburger mit einer 120 Liter-Tonne, die alle acht Tage geleert wird, mit 378,84 Euro im Jahr am tiefsten in die Tasche. Mit einer wöchentlichen Leerung der gleichen Tonnen-Größe bezahlen die Frankfurter 349,56 Euro im Jahr und die Offenbacher 331,32 Euro. In Hofheim kommt die Müllabfuhr alle zwei Wochen und kostet 210 Euro im Jahr. Die Abfallgebühren wurden in den vergangenen Jahren in Rhein-Main erhöht – außer in Offenbach.

Öffentlicher Nahverkehr: Auch die Fahrkartenpreise haben sich stetig erhöht: So verteuerte sich eine Einzelfahrt im Stadtgebiet Offenbach von 1,60 Euro im Jahr 2003 auf derzeit 2,10 Euro. Eine Monatskarte kostete 2003 noch 47,60 Euro – heute 60,40 Euro.

Einkommen: Etwa 12.000 Arbeitnehmer allein in Frankfurt verdienen so wenig, dass sie ihr Gehalt vom Staat aufstocken lassen müssen, sagt Harald Fiedler. Der DGB-Chef Rhein-Main hat einen „riesigen Anstieg“ bei Mini- und Midi-Jobs festgestellt, „von denen keiner leben kann“. Deshalb haben immer mehr Menschen Zweit- oder sogar Dritt-Jobs. „Es stimmt nur bedingt, dass man im Rhein-Main-Gebiet mehr verdient. Für einen großen Teil gilt das nicht.“ Ein kleiner Teil verdient dafür umso mehr. Im Hochtaunuskreis leben die Menschen, die sich am meisten leisten können. 29.285 Euro können sie im Schnitt pro Jahr ausgeben. Laut Gesellschaft für Konsumforschung ist der Kreis damit auf Platz eins in Deutschland. Zum Vergleich: Offenbach liegt auf Platz 251 mit 18.825 Euro. red

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