Telekom gibt ihm keine Leitung

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Kein Anschluss für Michael Peczka: Statt einer neuen Telefonleitung von 1und1 schickte ihm die Telekom Küchenzangen.

Offenbach – Durch die wundervolle Welt der Technik kann heute jeder telefonieren – wann und wohin er will. Für Michael Peczka ist das seit zehn Wochen nur eine Utopie. Von Andreas Einbock

Pesczkas Telekom-Martyrium begann vor anderthalb Jahren. Damals zog der 35-Jährige mit seiner Familie in eine neue Wohnung auf der anderen Straßenseite. „Auf der nächsten Rechnung stand irgendein neuer Tarif, den ich nie bestellt hatte“, sagt Michael Peczka. Der nächste Schreck folgte beim Blick ins Telefonbuch: „Die hatten ohne Einwilligung unsere Telefonnummer und Anschrift gedruckt.“ Fortgesetzt habe sich der Telekom-Terror mit aufdringlichen Anrufern, die dem Angestellten eines Einrichtungsmarktes einen Internettarif andrehen wollten.

Dann hat es uns gereicht. Im Februar haben wir gekündigt“, sagt Peczka, der seit 1999 Telekom-Kunde war. Doch so schnell kamen die Peczkas nicht aus dem Vertrag. Wegen Tarifumbuchungen und Kündigungsfristen könne der Vertrag erst zum 31. Juli aufgelöst werden, bekam er mitgeteilt.

Während Michael Peczka nun ungewollt viel Zeit bei der Anbietersuche hatte und einen neuen Vertrag beim Anbieter 1und1 abschloss, umwarb die Telekom ihren verlorenen Kunden mit Geschenken: „Gleich zweimal haben die uns Küchenzangen geschickt. Damit wollten die uns wohl wieder zurückholen.“ Pünktlich zum 1. August wurde die Telefonleitung gekappt. Das Kapitel Telekom schien für die Peczkas beendet.

Dass die Telekom als Netzbetreiber auch für die Schaltung von Fremdanbietern zuständig ist, ahnten die Peczkas da noch nicht. So verstrich der 24. August ohne den angekündigten Techniker, der den neuen Anschluss freischalten sollte.

Das Spielchen wiederholte sich noch drei Mal ohne Ergebnis und ohne einen Techniker. „Jedes Mal musste ich Urlaub nehmen. Den ganzen Tag habe ich gewartet, Einkäufe verschoben. Selbst meinen sechsjährigen Sohn habe ich allein zur Schule gehen lassen“, berichtet der Offenbacher von seinem Stress. Aufgeben kommt für Michael Peczka aber nicht in Frage. „Ich falle auf keinen Fall um. Jetzt ziehe ich es durch“, sagt er mit kämpferischem Ton.

Bei der Telekom ist man sich keiner Schuld bewusst. „Die Fremdanbieter wissen genau, welche Knöpfe sie bei uns drücken müssen. 1und1 müsste mehr Aufmerksamkeit für seine Kunden entwickeln“, schiebt Telekom-Pressesprecher George Stephen McKinney den schwarzen Peter zu 1und1. Dort bedauert man den Vorfall. „Das ist verdammt ärgerlich für den Kunden, aber auch für uns. Doch für die Leitungsschaltung sind wir leider auf den Netzbetreiber Telekom angewiesen“, sagt Svenja Kohlhaase von 1und1.

Der fünfte Schalttermin ist am 16. Oktober. Vielleicht können dann auch die Peczkas die wundervolle Welt der Technik und des Telefons endlich nutzen.

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