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Taunus-Kommunen wollen gegen Fluglärm klagen

Weil Flugrouten geändert wurden, ist es in vielen Taunus-Gemeinden jetzt lauter. Foto/Montage: rz

Taunus – 600 Menschen sind in der vergangenen Woche zu einer Fluglärm-Infoveranstaltung nach Schwalbach gekommen. Teilweise herrschte eine aggressive Stimmung. Günter Born vom Verein Wohnen und Umwelt im Taunus (WUT) wirft nun einigen Kommunen vor, zu spät auf das Thema einzugehen. Von Julia Renner

Eschborn, Liederbach und Kelkheim stimmten in der Regionalversammlung vor Jahren für den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Dass sie jetzt neben anderen Kommunen eine solche Bürgerveranstaltung auf die Beine gestellt haben, macht Born sauer: „Wir vom Verein haben die Kommunen schon vor Jahren angeschrieben, dass sie Einwände erheben sollen.“ Passiert sei aber nichts. Eschborn, Liederbach und Kelkheim hätten „gepennt“, sagt Born.

Mathias Geiger, Erster Stadtrat von Eschborn, hält dagegen: Als die Stadt damals dem Ausbau zugestimmt habe, konnte man noch nicht wissen, dass es später auch lauter werden würde. „Denn die Routen wurden um 2250 Meter nördlich verschoben“, sagt Geiger. Heißt: Jetzt sind auch die Eschborner betroffen.

Günter Born vom Verein Wohnen und Umwelt im Taunus.

Viele waren deshalb auch bei der Veranstaltung im Schwalbacher Bürgerhaus, die von Liederbach, Kelkheim, Sulzbach, Eschborn, Schwalbach und Bad Soden auf die Beine gestellt wurde. Michael Serba, Fachbereichsleiter Bauen und Entwickeln in Bad Soden, war auch bei der Fluglärm-Veranstaltung dabei. „Die Stimmung war teilweise aggressiv und polemisch“, sagt er. Aber es habe auch viele sachliche Fragen gegeben. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sei aber nicht auf dem Podium vertreten gewesen. „Wir hatten sie eingeladen“, sagt Michael Serba.

Gekommen war sie aus einem einfachen Grund nicht: „Wir gehen grundsätzlich nicht zu Bürgerveranstaltungen. Sonst müssten wir ja täglich in ganz Deutschland zu solchen Veranstaltungen“, sagt Kristina Kelek, Sprecherin der DFS. Dafür gebe es schlicht nicht genügend Mitarbeiter.

Die sechs Gemeinden, die zum Info-Abend geladen hatten, lassen nun eine Mess-Station auf dem Sulzbacher Rathaus anbringen. Sie soll Zahlen liefern, wie laut es derzeit wirklich ist im Taunus. „Wie lange diese Prüfung dauert, ist aber unklar“, sagt der Bad Sodener Michael Serba.

Kristina Kelek von der DFS versteht die Sorgen der Menschen. „Es ist sehr schwierig, einen Flughafenausbau so zu gestalten, dass niemand vom Fluglärm betroffen ist“, sagt sie. Beschwerden würde die Flugsicherung sehr ernst nehmen, betont sie. „Wir versuchen, ein Optimum zu schaffen. Aber wir sind ja nur einer von vielen Akteuren und nicht allein zuständig für die Flugrouten.“

Die sechs Taunus-Kommunen prüfen jetzt, ob sich eine Klage lohnt. Günter Born von WUT ist da wenig optimistisch: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, glaubt er. Juristisch gebe es keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen: „Nur, wenn der Wille auf der Gegenseite da ist, kann die Lage noch optimiert werden.“

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