Taunus-Friedwald: Bestattung mit Hindernissen

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Gisela Deutschländer ist enttäuscht vonm Friedwald Weilrod.

Steinbach – Die Beerdigung sollte besonders sein, würdevoll und „dem Leben des Verstorbenen angemessen“, sagt Gisela Deutschländer. Genau so sollte die Beisetzung für ihren kürzlich verstorbenen Schwiegervater sein. Doch die Feier im Friedwald Weilrod geriet zum Hürdenlauf. Von Julia Renner

Über Äste klettern, Abhänge hinunter rutschen und Gräben überwinden – die Bestattung ihres Schwiegervaters hatte sich Gisela Deutschländer anders vorgestellt. „Das war wie bei einer Pilzsuche“, sagt die 56-Jährige aus Steinbach. Das Konzept eines Friedwaldes findet sie gut – so wie auch ihr Schwiegervater. Er habe der Familie keine Umstände mit der Grabpflege machen und daher verbrannt werden wollen. Auch der Naturschutz spielt eine Rolle: Schließlich werde der Friedwald nicht bearbeitet.

Dennoch: So viel Naturbelassenheit hat sich die Steinbacherin nicht vorgestellt. „Man musste ganz genau schauen, wo man hintritt“, sagt Deutschländer. Die Frau des Verstorbenen hätte den Weg zur Beisetzung ihres Mannes nicht geschafft. „Es ist doch logisch, dass auch ältere Menschen zu einer Beisetzung kommen.“ Und viele seien im Alter nun einmal gehbehindert.

Treffpunkt Wanderparkplatz

Der Irrweg durch den Friedwald hat für die Familie noch eine Konsequenz: „Ob ich die Stelle unter dem Baum überhaupt wiederfinden würde, weiß ich nicht.“ Denn auch die Beschilderung sei mehr als unzureichend gewesen. „Der Treffpunkt am Waldrand war nur als Wanderparkplatz bezeichnet.“ Insgesamt gesehen habe die Feierlichkeit gefehlt.

Deutschländer möchte nicht, dass eigens Wege durch den Wald angelegt werden. Doch müsse man Möglichkeiten schaffen, auch älteren und gehbehinderten Menschen den Gang zu einer Waldbestattung zu ermöglichen.

Der Betreiber, die Friedwald GmbH aus Griesheim, räumt ein, dass die Beschilderung nicht gut sei. „Wir arbeiten daran, damit sich das noch in diesem Jahr ändert“, sagt Sprecherin Corinna Brod.

Mit Wanderstiefeln zur Bestattung

Steile Abhänge, herumhängende Äste und Gräben verteidigt sie jedoch: „In einem Friedwald ist grundsätzlich alles natürlich. Mit Unwägbarkeiten muss man rechnen“, sagt sie. Wer sich für die Beisetzung in einem Friedwald entscheidet, müsse das wissen. In Vorgesprächen könne aber abgeklärt werden, ob beispielsweise ein Baum nah am Waldrand gewählt werde. Diese seien leichter zu erreichen.

Wenn Gisela Deutschländer die Urnenstelle wiederfinden möchte, könne ein Kontakt zur zuständigen Försterin hergestellt werden, bietet Brod an. Ansonsten gelte: Wer zu einer Beisetzung aufbricht, sollte Wanderstiefel und Stock dabei haben, sagt Brod.

Foto: Hessen-Forst

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