Taunus-Bürger kämpfen mit Vogelhäuschen gegen Tempo-Sünder

Raser-Jagd auf eigene Faust

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Claus Marowsky will mit seinem falschen Blitzer erreichen, dass Raser langsamer fahren.

Taunus – Sind sie zu empfindlich oder ist der Taunus tatsächlich ein Raser-Paradies in dem kaum kontrolliert wird? Letzteres meinen zumindest einige Bürger und haben auf ihren Grundstücken täuschend echte Blitzer-Attrappen aufgestellt. Von Dirk Beutel

Sie rauschen im Eiltempo vorbei, haarscharf am Gehweg entlang. Und dass, obwohl in der Alt-Falkensteiner Straße in Falkenstein Tempo 30 gilt und die Fahrbahn eine ganz schöne Steigung hat. „Trotzdem rasen die hier erbarmungslos mit 70 bis 80 Sachen durch“, sagt Claus Marowsky. Ihn ärgert, dass die Stadt Königstein zu wenig kontrolliert.

Der Heilpraktiker wohnt seit 1985 an der vielbefahrenen Durchfahrtsstraße. Seine Beobachtung: „Der Verkehr wird immer schlimmer.“ Nicht nur, dass jeder Haushalt in der Nachbarschaft bis zu drei Autos habe und dort durch müsse, auch die Gäste aus dem nahegelegenen Hotel Kempinski sind Marowsky ein Dorn im Auge. Dazu kommt: Wenn sich zwei Autos begegnen, werde auch schon mal mit vollem Tempo auf den Bürgersteig ausgewichen.

Ordnungsamt will öfter kontrollieren

Deshalb hat Marowsky im vergangenen Sommer ein Vogelhäuschen an einer Laterne angebracht, die auf seinem Grundstück steht. Der Clou: Der grüne Kasten hat auf den ersten Blick verblüffende Ähnlichkeit mit einem echten Blitzer. Besonders am Anfang machte sich der unbewohnte Starenkasten bezahlt. Doch der Effekt ist abgeflacht. „Nur noch Leute von auswärts bremsen ab. Und es wird wieder gerast wie davor. Die Autofahrer halten sich nur ans Tempolimit, wenn es ihnen ans Portemonnaie geht.“ Frank Müller, Leiter des Ordnungsamtes in Königstein, kennt das Raser-Problem in der Alt-Falkensteiner Straße, relativiert aber: „Subjektiv empfindet man die Geschwindigkeit von Autos immer höher, als sie es in Wirklichkeit ist. Trotzdem wissen wir, dass das Problem dort zunimmt und werden jetzt verstärkt mit einem mobilen Blitzer kontrollieren.“

Auf die Idee kommen auch andere

Auch in Ober-Eschbach steht ein falscher Blitzer.

Verständnis für die Raser-Opfer kommt von der Falkensteiner Ortsbeirätin Liselotte Majer-Leonhard: „Für die Menschen, die direkt ander Alt-Falkensteiner Straße wohnen, ist das sicher eine ernstzunehmende Belastung. Trotzdem ist die Situation nicht ganz so dramatisch.“ Dabei verweist Majer-Leonhard auf die Geschwindigkeits-Messtafel, die wenige Meter von der Blitzer-Attrappe installiert wurde. Die Messungen aus dem Frühjahr 2012 belegen, dass die Mehrheit der Autofahrer zwischen 30 und 38 Kilometer pro Stunde gefahren ist. Trotzdem findet Meyer-Leonhardt den falschen Blitzer prima: „Die Kästen dienen schließlich der Verkehrsberuhigung.“

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Das sieht man ein paar Kilometer weiter, in Ober-Eschbach ähnlich. Dort ist man auf die gleiche Idee gekommen. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat im vergangenen Frühjahr auch auf seinem Grundstück, nur ein paar Meter nach dem Ortseingangsschild, einen „Vogelhaus-Blitzer“ aufgestellt. „Von unserer Terrasse aus beobachten wir immer, wie die Autofahrer an unserem Haus beschleunigt haben. Seitdem der Kasten hängt, treten einige gehörig in die Eisen – bis zum Reifenquietschen. Aber bei uns hat sich das bis heute noch nicht großartig verändert.“

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