Tauben qualvoll gestorben

Mehrere Tauben sind scheinbar auf dem Gelände eines Großhandels in Rodgau-Weiskirchen vergiftet worden. Ein Tierarzt musste sie später einschläfern.

Rodgau – Bizarrer Vogelfriedhof: Als eine EXTRA TIPP-Leserin in der vergangenen Woche in einem Einkaufsmarkt in Rodgau einkaufen wollte, war sie schon geschockt, als sie auf den Kundenparkplatz fuhr. Eine leblose Taube versperrte ihr den Weg. Fünf weitere leblose Vögel fand sie auf dem Gelände. Von Julia Renner

Einen Einkaufsbummel mit ihrem Lebensgefährten hatte die Mörfeldenerin geplant. Stattdessen endete der Tag bei einem Tierarzt. Nachdem sie die erste reglose Taube gefunden hatte, machte sich die Tierfreundin auf die Suche nach weiteren Vögeln, umrundete das Gelände des Marktes – und wurde dabei auch fündig. „Wir fanden in kürzester Zeit weitere fünf leblose Tiere, unter anderem eine beringte Brieftaube“, erzählt sie.

Eine Mitarbeiterin des Marktes berichtete den beiden Findern schließlich, dass die Tiere vergiftet wurden und in den vergangenen Tagen schon mehrere Vögel gestorben seien. Die Mörfeldenerin brachte die Tiere in einem Karton dann zu einem Tierarzt. Aus der Praxis im Kreis Offenbach will sich niemand gegenüber der Presse äußern. Die behandelnde Tierärztin hatte scheinbar jedoch die Vermutung der Finder bestätigt, dass die Tiere vergiftet wurden. Eine Obduktion müsste dies endgültig klären, die wurde aber nicht vorgenommen.

Auch die Polizei war zum Fundort der verendenden Tauben gerufen worden. Das bestätigt Pressesprecher Henry Faltin. Die Polizisten vor Ort haben die Tauben selbst aber nicht gesehen, denn die waren schon auf dem Weg zum Tierarzt, wo sie wegen ihrer Leiden schließlich eingeschläfert werden mussten. Derzeit laufen von Seiten der Polizei Ermittlungen. Denn kurz nach dem Fund wurde von Anonym gegen Anonym Anzeige erstattet – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Netze, Spikes und Gitter gegen Taubenplage

Gudrun Stürmer ist Taubenschützerin.

Gudrun Stürmer, Leiterin des Stadttaubenprojektes in Frankfurt, ist entsetzt über den Fall. Es sei „heimtückisch“, die Tiere zu vergiften. Und außerdem auch verboten. Das macht auch Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater der Tierschutzorganisation Peta, deutlich: „Es ist strikt untersagt, Tauben zu erschießen oder zu vergiften.“ Gestattet seien ausschließlich Maßnahmen zur Vergrämung, also um die Tiere zu verscheuchen. Schwerwiegend sei es auch, wenn das Gift tatsächlich an einem „gut zugänglichen Ort“ ausgelegt worden sei. Der Geschäftsführer des Rodgauer Marktes hat durch die Polizei mitbekommen, dass die sterbenden Tiere auf dem Parkplatz gefunden wurden. Ob tatsächlich jemand Gift ausgelegt hat, darüber kann er nichts sagen. Jedenfalls sei von Seiten des Marktes nichts dergleichen passiert. „Ich kann und darf nichts mit Gift machen, schließlich verkaufe ich hier Lebensmittel“, betont er. Allerdings habe er schon mehrmals eine Frau in einem roten Wagen beobachtet, die auf dem Parkplatz etwas aus dem fahrenden Auto streue. Ob das aber Gift sei oder ob die Frau Futter für die Tiere ausstreue, das könne er nicht sagen.

Schon seit mehr als fünf Jahren, so berichtet der Geschäftsleiter, gebe es eine Taubenplage auf dem Gelände. Die Tiere würden den Parkplatz und die Einkaufswagen zukoten, mindestens alle vier Wochen müsse ein Mitarbeiter mit einem Hochdruckwasserstrahler alles säubern.

Deshalb setze das Unternehmen seit Jahren auf Vergrämungsmaßnahmen wie Netze, Spikes und Gitter. Auch mit einem Taubenschlag habe der Markt es bereits versucht – mit mittelmäßigem Erfolg. Was einigermaßen wirke, sagt der Geschäftsführer, sind die Gitter, damit sich die Tauben gar nicht erst niederlassen können. Und deren Einsatz würde nun auch ausgeweitet.

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