Immer wieder eskaliert es auf dem Arbeitsamt

Tatort Jobcenter: Was tun für die Sicherheit der Mitarbeiter?

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Immer öfter werden Jobcenter-Mitarbeiter brutal angegriffen.

Region Rhein-Main – Angst am eigenen Arbeitsplatz. Die quält allen Anschein nach noch immer zahlreiche Mitarbeiter in den Frankfurter Jobcentern. Der Personalrat kritisiert, dass zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu langsam umgesetzt werden. Von Dirk Beutel

Im Jobcenter Berlin-Neukölln werden die Mitarbeiter seit Neuestem in Tai-Chi unterrichtet. Zum Stressabbau, aber auch, um sich im Ernstfall verteidigen zu können. Ganz andere Sorgen haben da die Mitarbeiter im Frankfurter Jobcenter Ost. Nicht mal zwei Monate sind vergangen, seit die Filiale in das neue Gebäude in die Ferdinand-Happ-Straße gezogen ist. Da müssen die Mitarbeiter schon jetzt miterleben, welche Sicherheitslücken dort offenbar herrschen: Ein Obdachloser konnte nachts unbemerkt in das Gebäude eindringen und hat ein Sachbearbeiter-Büro als Schlafplatz benutzt. Wenige Tage später wurde vor einem Fahrstuhl ein Plakat angezündet. Der absolute Tiefpunkt: Ein Brotmesser, das in einen Stuhl auf dem Flur gerammt wurde.

Bilder vom Blutbad im Frankfurter Jobcenter

Die Bilder zum Tod im Frankfurter Jobcenter

Verdi will mehr Sicherheit für Mitarbeiter

Silke Fischer, Verdi-Gewerkschaftsvertreterin für die Frankfurter Jobcenter, fordert schon lange, dass mehr für die Sicherheit getan werden muss. Erst im Dezember vergangenen Jahres kam es zu zwei Messerattacken in den Jobcentern in Sachsenhausen und in Bockenheim. Nicht zu vergessen das tödliche Ende im Jobcenter im Gallus am 19. Mai 2011: Eine Kundin war nach einem Streit mit einem Sachbearbeiter mit einem Messer auf einen Polizisten losgegangen und verletzte diesen schwer. Dessen Kollegin schoss auf die Frau, die später im Krankenhaus starb.

Maßnahmen sind geheim

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Neue Welle von Gewalt gegen Polizisten

Mittlerweile hat sich in Frankfurt die Arbeitsgruppe Sicherheit den Problemen für die etwa 760 Kollegen angenommen. Welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen, kann Steffen Römhild, Sprecher der Frankfurter Jobcenter, nicht verraten. Auch Silke Fischer nicht. Nur soviel: „Es dauert einfach zu lange.“ Römhild setzt auf die Deeskalationsschulungen. „Bei unserer Arbeit ist ein Potenzial für Reibungen vorhanden. Daher werden die Sachbearbeiter darauf trainiert, bereits im Vorfeld keine Situation eskalieren zu lassen. Und das hat bisher funktioniert“, sagt Römhild, der selbst im Beschwerdemanagement tätig ist.

„Der Umgangston mancher Kunden ist zwar bisweilen rau, körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter kommen aber äußerst selten vor“, sagt Johannes Latsch, Sprecher des Main-Taunus-Kreises. Auch dort werden die Mitarbeiter geschult, mit kritischen Situationen umzugehen. „Dazu haben wir Sicherheitsmechanismen, die sehr effizient sind“, sagt Latsch. Gleiches ist aus dem Bad Homburger Kreishaus zu hören: „Ergänzend belegen die Mitarbeiter Selbstverteidigungskurse“, sagt Markus Koob, Sprecher des Hochtaunuskreises.

Verdi befürwortet Sicherheitsschleusen

Auch Silke Fischer wurde geschult. Aber nur ein einziges Mal. „Wenn man in eine gefährliche Situation gerät, steigt das Adrenalin. Da erinnere ich mich doch nicht mehr an das, was ich vor sechs Monaten gelernt habe.“ Außerdem spricht Fischer die Messerattacke vergangenes Jahr in Neuss an, bei der eine Jobcenter-Mitarbeiterin starb: „Der Mann kam mit einer klaren Absicht zu ihr. Welches Deeskalations-Training hat da der Frau geholfen?“ Deshalb befürwortet Fischer Sicherheitsschleusen an den Eingängen der Jobcenter. „In Gerichtsgebäuden ist das normal. Warum müssen wir warten, bis wieder etwas Schlimmes passiert?“ (siehe dazu auch „Meine Meinung“, Seite zwei).

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