Schutz vor hohen Kosten  nach dem Auszug

Miese Tricks bei Wohnungsübergabe? Das hilft!

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Kann nicht fassen, dass sie zahlen soll: Tatjana Gsellmann mit dem Vergleichsvorschlag.

Seligenstadt – Immer wieder sind Mieter blauäugig und sichern sich nicht ab, wenn sie ihre Wohnung übergeben. Dabei gibt es einfache Tricks, mit denen man ausgebufften Vermietern einen Strich durch die Rechnung machen kann. Von Christian Reinartz 

Weil Tatjana Gsellmann aus Seligenstadt zu gutgläubig war, hat sie beim Auszug nicht auf ein Übergabeprotokoll bestanden. Die Folge: Ihr ehemaliger Vermieter forderte nach ihrem Auszug viele tausend Euro von ihr und behielt die Kaution ein. „Ich habe gedacht, sowas brauche ich nicht“, sagt Gsellmann niedergeschlagen. Mittlerweile hat sie aber am eigenen Leib erfahren, wie schnell man Opfer mieser Vermieter-Tricks werden kann. „Der hat mir doch plötzlich vorgeworfen, die Wohnung nicht richtig gestrichen zu haben“, sagt Gsellmann mit Tränen in den Augen. Zudem soll sie die Kloschüssel kaputt gemacht haben, Löcher in die Fliesen gebohrt und eine Schiebetür beschädigt haben. Dazu gibt’s einen Kostenvoranschlag des Vermieters für das Streichen der 75-Quadratmeter-Wohnung. Darauf der unglaubliche Betrag von über 3000 Euro. Rolf Janßen, Chef des Frankfurter DMB Mieterschutzvereins kennt diese Masche zur Genüge. „Das erleben wir immer wieder.“ Die Vermieter versuchten so möglichst hohe Kosten zu generieren, die aber natürlich nur selten wirklich investiert würden, warnt er.

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Im Falle von Gsellmann behält ihr Ex-Vermieter zunächst ihre Kaution von 2000 Euro ein. Wenig später stellt sich dann heraus: Die Wohnung hätte von ihr gar nicht renoviert werden müssen, sagt Gsellmann. Dennoch behält ihr Vermieter das Geld ein, um die Kosten für die angeblich zerstörte Toilette und die Tür zu begleichen. Mittlerweile hat der zuständige Richter Gsellmann einen Vergleich vorgeschlagen. „Aber da soll ich dann auf 1000 Euro meiner Kaution verzichten“, sagt sie aufgebracht.

Für Rolf Janßen auch keine Seltenheit. „Ein Vergleich wird immer dann angeboten, wenn sich nicht eindeutig feststellen lässt, welche Partei im Recht ist.“ Im aktuellen Fall weise zwar der niedrig angesetzte Betrag von 1000 Euro im Vergleich zu dem ursprünglich geforderten Betrag „eindeutig in eine Richtung“. „Aber das hilft mir nichts“, sagt Gsellmann. „Mein Geld ist trotzdem weg. Dabei habe ich mir doch gar nichts zu Schulden kommen lassen.“

Info:

Eigentlich ist es ganz einfach, sich gegen solche Vermieter-Methoden zu wappnen. Rolf Janßens Tipps sind einfach und können ohne großen Aufwand umgesetzt werden:

1. Ein Übergabeprotokoll anfertigen und beiderseitig unterschreiben.

2. Verweigert das der Vermieter, ist es wichtig, einen Zeugen bei der Übergabe dabei zu haben. Besser noch sind zwei. Diese sollten bestenfalls nicht verwandt sein oder gar in einer Wohngemeinschaft mit dem Mieter leben.

3. Wirkungsvoll ist auch eine sorgfältige Dokumentation des Zustandes der Wohnung mit Fotos. Dies kann entweder im Vorfeld geschehen oder aber im Beisein des Vermieters. Dann bekommt der gleich die Information: Da gibt es Beweise.

4. Stellt der Vermieter dennoch Forderungen, nicht gleich einknicken, nur damit die Mietsache abgeschlossen ist. Stattdessen rechtlichen Rat einholen. Oft gehen die Forderungen der Vermieter nämlich weit über das hinaus, was ihnen rechtlich überhaupt zusteht.

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