Er tappte in die Internetfalle

"Ich wollte nur ein Programm aktualisieren", erinnert sich der Maschinenschlosser. Er folgte den Links auf der Webseite einer Internetzeitschrift.

"Da stand überall kostenloser Download." Er landete auf der Seite "Win-Loads.net".Um seine Software auf den neusten Stand zu bringen, musste er sich allerdings bei dem Internetdienst anmelden. Was er nichts sah: Rechts neben den Eingabefeldern stand in kleiner grauer Schrift, dass er mit der Anmeldung ein zwölfmonatiges Abo abschließt, das im Voraus zu bezahlen ist. Erst nach dem Abschicken hat Glab gemerkt, wie ihm geschah."Ich wollte meinen Fehler korrigieren", sagt der Familienvater. Sofort kündigt er das Abo. Er erhält keine Bestätigung. Bei der Service-Hotline von Media Intense will man die E-Mail nicht erhalten haben. "Im System ist nichts eingegangen." Die Rechnung über 96 Euro folgte prompt â?? per E-Mail.Kurz darauf kommt per Post eine Mahnung. Glab schickte nochmals eine Kündigung per Einschreiben â?? fünf Tage nach der Anmeldung. Rechtlich gesehen war er damit raus aus dem Abo. Denn es gilt die gesetzliche 14-tägige Widerrufsfrist, wie auch Ute Klaus von der Verbraucherzentrale Hessen bestätigt. Wieder kommt eine Mahnung. Glab schickt erneut ein Einschreiben, in dem er auf die Kündigung hinweist.Dann der Schock: Media Intense droht mit Inkassobüro, Kontopfändung und Gerichtskosten, wenn Glab nicht zahlt. "Ich fühlte mich massiv unter Druck gesetzt", sagt der Rodgauer. "In diesem Fall klingt das sehr nach dem typischen Vorgehen unseriöser Internetdienste", berichtet Klaus: "Meistens muss nichts gezahlt werden, aber das prüfen wir im Einzelfall."Ein Anruf des EXTRA TIPPs genügte, um Glabs Problem zu lösen. Laut Media Intense sei der 47-Jährige im Recht. Es würde nur seine Zeit dauern, bis die Briefe an die zuständige Stelle weitergeleitet werden. Nun soll der Rodgauer Ruhe vor der Firma haben.Doch er ist nicht der einzige, der in die Internet-Falle getappt ist. In zahlreichen Foren berichten Betroffene über ähnliche Erfahrungen.br /Das rät die Verbraucherschutzzentrale:br /Wie erkennt man unseriöse Internetseiten?Oft sind die Kosten für die angebotenen Dienstleistungen auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die Seite ist mit plakativen Schlagwörtern wie "Gratis", "Gewinn", "Free" oder "Kostenlos" gestaltet. Sie lenken davon ab, nach den meist versteckten Kostenhinweisen zu suchen. Dei finden sich zum Beispiel am unteren Rand der Internetseite, so dass man diese erst lesen kann, wenn man ganz nach unten scrollt. Oftmals ist der Kostenhinweis auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt oder in heller Schrift auf hellem Grund oder in sehr kleiner Schrift geschrieben, sodass das Lesen auch geübten Internetnutzern schwer fällt.br /Muss die Rechnung bezahlt werden?Verträge sind grundsätzlich einzuhalten. Der Gesetzgeber hat nur wenige Ausnahmen vorgesehen, in denen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann. Wer es mit einem unseriösen Anbieter zu tun hatte, weiß beim Klicken auf den Button "Bestätigen" oder "Absenden" oder "Anmelden" oftmals nicht, dass er in diesem Augenblick einen Vertrag abschließt. Er erfährt davon erst, wenn er die Rechnung bekommt. Dort steht dann, dass man an einem bestimmten Tag mit einer bestimmten IP-Nummer auf einer bestimmten Internetseite einen Vertrag über ein Abonnement geschlossen hat. Dafür soll man den in der Rechnung genannten Betrag bezahlen. Wer nicht bezahlt, bekommt kurz darauf Mahnungen und Schreiben von Rechtsanwälten oder Inkassobüros. Viele Verbraucher lassen sich durch solche Drohgebärden einschüchtern und zahlen den Rechnungsbetrag, weil sie die Kosten für einen Rechtstreit nicht riskieren wollen. Doch in den meisten Fällen müssen die Rechnungen nicht bezahlt werden! Sicher gehen Sie, wenn Sie sich in einer Verbraucherzentrale mit allen Unterlagen bestätigen lassen, dass Sie nichts zahlen müssen. Eine Beratung kostet fünf bis zehn Euro.So hat zum Beispiel das Amtsgericht München in seinem Urteil vom 16.1.2007 festgestellt, dass das geforderte Entgelt nicht zu bezahlen ist. In dem zu entscheidenden Fall war der Kostenhinweis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt. Nach Ansicht der Richter handelte es sich insoweit um eine für den Nutzer der Internetseite überraschende und daher unwirksame Vertragsklausel.br /Wie kommt man aus dem Vertrag wieder heraus?Jeder hat das Recht, eine vermeintliche Forderung zu bestreiten. Strittige Forderungen darf übrigens auch die Schufa nicht eintragen. Wer unzulässige Schufa-Meldungen veranlasst, macht sich schadensersatzpflichtig. Das wissen auch die dubiosen Internetanbieter, so dass es meist bei der bloßen Drohung bleibt. Auch gibt es rechtliche Möglichkeiten, aus den untergeschobenen Verträgen wieder herauszukommen. Denn der Anbieter der Internetseite muss darlegen und im Bestreitensfall auch vor Gericht beweisen können, dass der Nutzer wissentlich und willentlich einen Vertrag abgeschlossen hat. Selbstverständlich kann man auch im Internet wirksame Verträge schließen. Dies setzt aber unter anderem Voraus, dass sich der Internetnutzer sowohl über den Gegenstand der Leistung als auch über eine etwaige Kostenpflicht von vornherein im Klaren ist. Darüber hinaus treffen Internetanbieter, die Verträge mit privaten Endverbrauchern schließen wollen, umfangreiche Aufklärungs- und Informationspflichten. Viele Internetunternehmen erwecken jedoch durch Gestaltung und Aufmachung ihrer Angebote zumeist den Eindruck, der Verbraucher melde sich bei einem kostenlosen Service an. Durch leicht zu übersehende Hinweise am Seitenende oder im Kleingedruckten kann jedoch nicht stillschweigend ein Abonnementvertrag geschlossen werden. Daher besteht kein Vertragsverhältnis, welches den Verbraucher zu irgendeiner Zahlung verpflichten könnte.br /Gilt auch im Internet die 14-tägige Widerrufsfrist?Ja. Unabhängig von der juristischen Streitfrage, ob nun im Einzelfall ein wirksamer Vertrag zustande gekommen ist oder nicht, steht Verbrauchern beim Abschluss von so genannten Fernabsatzverträgen â?? dazu zählen auch die über das Internet abgeschlossenen Verträge â?? in der Regel das Recht zu, den Vertrag innerhalb einer Frist von zwei Wochen zu widerrufen.Diese Frist beginnt frühestens, wenn der Anbieter eine wirksame Widerrufsbelehrung in "Textform" erteilt hat. Insbesondere der bei vielen Anbietern verbreitete Verweis auf die eigene Internetseite reicht hierfür nicht aus. Selbst wenn eine Belehrung per Email verschickt worden sein sollte, entspricht sie nur selten den gesetzlichen Anforderungen. Die Folge ist, dass der vermeintliche Vertrag auch nach Ablauf der Zwei-Wochen-Frist noch widerrufen werden kann. br /Wie formuliert man einen Widerruf?Für den Widerruf empfiehlt sich folgende Formulierung:br /"Die von Ihnen mit Schreiben vom .... geltend gemachte Forderung weise ich sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach vollständig zurück. Es ist kein wirksamer Vertrag mit Ihnen zustande gekommen. Vorsorglich und lediglich hilfsweise erkläre ich den Widerruf. Ich werde keinerlei Zahlungen an Sie leisten und gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit erledigt ist. Von weiterem Schriftverkehr bitte ich daher abzusehen." br /Die individuelle Beratung ist auch deshalb wichtig, weil das Internet sehr schnelllebig ist und Seiten von heute auf morgen geändert werden können. Deshalb muss jeder Fall auch danach beurteilt werden, wie die Internetseite zum Zeitpunkt des vermeintlichen Vertragsschlusses gestaltet war.br /Weitere Informationen auf www.verbraucher.de

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