Tanja Heinze wollte mit Kind arbeiten

Arbeitslos, weil sie Mutter ist!

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Tanja Heinze sitzt nachdenklich vor dem Einkaufsladen ihrer Tochter. Sie wollte nur halbtags arbeiten, um für ihre Kleine da zu sein. Das machte ihr Ex-Arbeitergeber aber nicht mit.

Hainburg - Familie  und Beruf unter einen Hut zu bringen ist für viele Frauen ein Kunststück. Auch für Tanja Heinze. Der EXTRA TIPP berichtete über familienfreundliche Firmen in unserer Region. Heinze hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. Von Silke Gottaut

Ein dicker blauer Ordner. Voll mit Gerichtsschreiben. Und jeder Menge Ärger. Tanja Heinze sitzt kopfschüttelnd davor. „Es ist ein Unding, dass von einem verlangt wird, dass man seine Kinder beiseite schiebt“, sagt die Mutter verärgert. Sie wollte nach ihrer Elternzeit wieder arbeiten – halbtags. Sie hat darum gekämpft, jedoch verloren. „Ich hatte die Wahl: Entweder voll arbeiten gehen oder arbeitslos sein.“ Die Hainburgerin hatte 14 Jahre lang in einer Firma im Landkreis Offenbach gearbeitet. Als sie bekannt gab, dass sie schwanger ist, begann der Ärger in der Firma. „Von mir wurde verlangt, dass ich in der Schwangerschaft mehr arbeite, als vorher. Rücksicht wurde nicht genommen. Ich war völlig überlastet."

Die erste Klage hat die Mutter gewonnen

Familenfreundliche Firmen in unserer Region

Nachdem Heinze zwei Jahre bei ihrer Tochter geblieben ist, wollte sie im dritten Jahr der Elternzeit in Teilzeit arbeiten gehen. Doch dies wollte die Geschäftsleitung nicht. Die Mutter zog vors Arbeitsgericht in Offenbach. Und sie gewann. So groß die Freude auch war, sank sie wieder, als sie im März 2012 an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte. „Als ich wieder in das Unternehmen kam, wurde mir die Tür vor der Nase zugeschlagen. Die Geschäftsleitung hatte mich bei den Mitarbeitern total schlecht gemacht. Es wurde mit Kündigungen gedroht, falls jemand Kontakt zu mir habe.“ Also sprach kaum jemand mit der jungen Mutter, dabei hatte sie vor der Geburt ihrer Tochter sehr guten Kontakt zu ihren Kollegen.

Familienfreundlich sieht anders aus: Heinze wurde arbeitslos

Heinze bekam zuerst ein anderes Aufgabengebiet, was sie gut meisterte und auch Lob dafür bekam. Später nahm sie ihr altes Aufgabengebiet noch hinzu. Weiterhin war man mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. Trotz der Anerkennung wurde der Mutter nach Ende der Elternzeit keine halbe Stelle angeboten. Die Ansage der Firma war eindeutig: Entweder ganz oder gar nicht. Das lies sich Heinze erneut nicht gefallen. Sie ging wieder vors Arbeitsgericht – doch diesmal hat sie verloren. „Der Richter sagte, dass er das Unternehmen nicht zwingen könne, Teilzeitarbeitsplätze zu vergeben. Mein Mann könne ja daheim bleiben.“ Zwei Tage nach dem Gerichtstermin hätte Heinze wieder voll arbeiten gehen müssen. Das Gericht gab ihr ein halbes Jahr Zeit, um sich eine Tagesmutter zu suchen. Doch dies kam für die Mutter auf keinen Fall in Frage: „Ich setze doch nicht ein Kind in die Welt, um es dann Fremden den ganzen Tag zu überlassen. Dafür liebe ich meine Tochter viel zu sehr“ Damit war die Sache geklärt: Heinze wurde arbeitslos. Mittlerweile hat die Mutter schon über 300 Bewerbungen geschrieben. Traurig schaut sie auf den Bewerbungsstapel. Doch schnell findet sich wieder ein Lächeln auf ihren Wangen, wenn sie den Einkaufsladen ihrer Tochter sieht, mit dem sie so gerne spielt. Dann weiß sie wieder, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat.

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