Wirft schlechtes Licht auf Bedürftige

Tafel-Abzocker: Manche ergaunern mehr, als sie brauchen

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Die Offenbacher Tafelchefin Christine Sparr (rechts) und ihre Mitarbeiterin.

Offenbach – Während die meisten Hartz-IV-Empfänger brav und dankbar ihre Tüten bei der Offenbacher Tafel abholen, haben einige eine miese Masche entwickelt, um sich mehr zu ergaunern, als sie brauchen. Von Christian Reinartz

Wer bei der Offenbacher Tafel in der Kraftstraße ansteht, geht mit vollen Tüten nach Hause. „Die Leute bekommen bei uns jede Menge. Meistens soviel, dass es für die ganze Woche reicht“, sagt Christine Sparr, die Leiterin der Tafel.

Dennoch können einige wenige Hartz-IV-Empfänger offenbar den Hals nicht voll genug kriegen. Sie holen sich erst ihre Ration bei Sparr und gehen dann nochmal zur katholischen Gemeinde St. Elisabeth, die mit ihrem Lisbeth-Korb noch einmal ein ähnliches Angebot wie die Offenbacher Tafel macht. Dort sprechen sie erneut vor und ziehen mit vollen Tüten von dannen.

"Die nutzen nur aus, was möglich ist"

„Das ist Missbrauch. Aber den Leuten können wir keinen Vorwurf machen“, sagt die Leiterin der Frankfurter Tafel, Edith Kleber. Ihr angeschlossen ist auch die Offenbacher Tafel. „Die nutzen nur aus, was möglich ist.“

Denn das Problem ist offenbar die spezielle Struktur in Offenbach. „Hier gibt es keine Kontrolle“, sagt Christine Sparr. „Wir können uns ja nicht ständig vor den Lisbeth-Korb stellen und aufschreiben, wer da Lebensmittel holt.“ Manchmal komme ihr aber der Zufall zu Hilfe. „Dann kriegen diese Leute bei uns nichts mehr.“ Aber einen Riegel vorschieben könne man diesem Missbrauch nur, wenn man gemeinsam kontrolliere.

Betrüger bringen Tafelkunden in Verruf

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Sparr ärgert sich aber vor allem darüber, dass einige wenige Betrüger alle Tafelkunden in Verruf bringen. Sie hat deswegen Angst, dass wegen des Missbrauchs Spender abspringen könnten. „Dabei sind die allermeisten unserer Kunden absolut ehrlich und dankbar für das, was sie von uns bekommen. Es wäre nicht fair, wenn sie nun wegen der Betrüger leiden müssen.“

In Frankfurt sei die Kontrolle einfacher, sagt Kleber. Dort bekämen alle Bedürftigen eine Berechtigungskarte. „An dieses System sind auch die Kirchengemeinden angeschlossen, die auch Essensausgaben betreiben.“ So kann niemand doppelt Lebensmittel abgreifen.

Lebensmittel können gegen Zigaretten oder Alkohol getauscht werden

Bei der katholischen Pfarrgemeinde St. Elisabeth kennt man das Problem zwar, ist aber offensichtlich nicht bereit, die Kunden zu kontrollieren. Das sei nicht menschlich und gehe gegen die Würde der Bedürftigen, heißt es beim Lisbeth-Korb. „Das können wir personell auch gar nicht leisten“, sagt Mitarbeiter Erich Müller. Eine große Notwendigkeit zu handeln sieht man dort nicht. „Wir gehen davon aus, dass wenn sich jemand für eine Tüte Lebensmittel so lange anstellt, er diese auch benötigt. Auch auf die Gefahr hin, betrogen zu werden, wir haben damit nicht das Riesenproblem.“

Ganz anders sieht man das bei der Tafel. Denn was machen Hilfsbedürftige mit so vielen Lebensmitteln, die kurz vor dem Ablauf stehen? Edith Kleber, weiß: „Verkaufen kann man das nicht, aber tauschen.“ Etwa gegen Alkohol und Zigaretten.

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