Streit um verseuchten Schlamm

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Mit rot-weißem Flatterband ist der trocken gelegte Forellenweiher abgesperrt.

Königstein – Blei, Kadmium und Kohlenstoffe wie Öl und Benzin wurden im Schlamm des Forellenweihers im Königsteiner Stadtteil Falkenstein gefunden. Doch nur durch Zufall bekamen die Bewohner davon etwas mit, die Stadt Königstein wollte die Information gar nicht an die Öffentlichkeit geben.  Von Julia Renner

Über Umwege habe der BUND Königstein erst von der Belastung erfahren, berichtet die Vorsitzende Claudia Weiand. „Das finden wir nicht so prickelnd“, sagt sie und kritisiert eine „fehlende Transparenz“. Sie wisse, dass die Belastung nicht allzu hoch ist und gerade deshalb verstehe sie nicht, warum die Stadt den Fund geheim halten wollte.

Mit der Sorge um den verseuchten Weiher, der im Trinkwasser- und Naturschutzgebiet liegt, steht Weiand scheinbar nicht allein da: "Die Leute rufen bei uns an und fragen, ob sie das Trinkwasser überhaupt noch trinken können." Außerdem sei der Weiher ein beliebtes Ausflugsziel. Hinzu komme, dass sich in der Nähe der Waldkindergarten „Trullige Trolle“ befindet. „Wenn ich daran denke, dass die Kinder am Weiher spielen, wird mir ganz schlecht.“

Dass die belastenden Zahlen nicht öffentlich gemacht wurden, begründet Bürgermeister Leonhard Helm damit, dass das Thema „keine besondere Relevanz“ habe. „Man sollte daraus keine Staatsaffäre machen.“ Die Grenzwerte im Schlamm seien nur geringfügig überschritten worden, „es ist kein giftiges Material“. Das alles sei eine „völlig harmlose Geschichte und Frau Weiand ist auch nicht die staatliche Umweltschutzbeauftragte“, sagt der Bürgermeister und fügt hinzu, dass Claudia Weiand sich gerne einmische, obwohl sie keine Ahnung habe.

Verschmutzung durch Handwerker oder Müllkippe?

Sollten Kinder Schwermetalle wie Blei und Kadmium „in relevanten Mengen aufnehmen“, könnte es schädlich sein, sagt Ursel Heudorf vom Frankfurter Gesundheitsamt. Sie gehe nicht davon aus, dass die Dosierung im Schlamm hoch genug sei. Verharmlosen wolle sie nicht, allerdings sei es schwer, pauschal Aussagen darüber zu treffen. Gerade Blei sei ein toxisches Element, warnt die Medizinerin.

Wie die Schadstoffe in den Weiher gekommen sind, ist noch unklar. Gerüchteweise ist zu hören, dass Handwerker am Weiher gesehen wurden, die dort ihre Werkzeuge gereinigt haben sollen. Aus Sicht von Leonhard Helm kann das nicht sein. „Warum sollte jemand Werkzeuge im Weiher auswaschen, wenn er das genauso daheim im Waschbecken machen könnte?“, fragt er. Er kann sich keine menschengemachte Belastung vorstellen.

Georg Mittelbach, Hydrogeologe vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie, sieht das anders. Die Art der Belastung, so glaubt Mittelbach, könnte auf menschliches Handeln hinweisen. „Rein spekulativ würde ich sagen: Kadmium, Blei und Kohlenwasserstoffe werden in der metallverarbeitenden Industrie oder in Lackierereien genutzt.“ Theoretisch könnten „ganz geringe Mengen“ der gefundenen Schadstoffe auch aus der Natur stammen. „Doch die würden möglicherweise bei einer Untersuchung nicht auffallen.“

Bettina Becker, Vorsitzende des Waldkindergartens, hat der Fund der Schadstoffe nicht überrascht, schließlich gebe es nicht weit entfernt vom Weiher eine alte Müllkippe. Anrufe besorgter Eltern gab es bei ihr nicht. „Denn am Weiher dürfen die Kinder generell nicht spielen, das ist viel zu gefährlich“, sagt Becker. Die Information über die gefundenen Schadstoffe hat sie trotzdem an ihr Team weitergegeben.

Was mit dem belasteten Schlamm passiert, ist nun geklärt. Vom Regierungspräsidium in Darmstadt gab es das Okay, den Schlamm auf einer Müllkippe zu entsorgen. Claudia Weiand wünscht sich, dass die Absperrung des Forellenweihers trotzdem beibehalten wird. Am liebsten wäre es der Vorsitzenden des BUND Königstein, dass die Straße zum Weiher für Autos komplett gesperrt wird.

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