Streit in Rodgau droht zu eskalieren

Lautes Karten kloppen stört Ruhe im ganzen Wohnblock

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Das Wohn- und Geschäftshaus im Leipziger Ring 178a in Rodgau.

Rodgau – Immer wieder kommt es zwischen Anwohnern und Kneipenbesitzern zum Streit wegen zu viel Lärm. In Rodgau ist ein Streit kurz davor zu eskalieren. Kurios: Es geht auch ums Karten kloppen, das im ganzen Wohnblock zu hören ist. Von Norman Körtge

 Wochenlang haben Anke Kuhni und Sebastian Bona ihre Mitbewohner verdächtigt. Bis spät in die Nacht waren immer wieder diese Klopfgeräuschen in ihrer Wohnung in Rodgau zu hören. „Wir sind durch das ganze Haus gelaufen, konnten es aber überhaupt nicht lokalisieren“, erzählt Bona. Es war ein Zufall, der die beiden zur Klopfquelle führte. Bona und Kuhni wollten sich persönlich in dem im Erdgeschoss im Leipziger Ring 178a angesiedelten „Café Royal“ wegen der zu lauten Gäste beschweren, als sie dort kartenspielende – überwiegend ausländische – Männer antrafen. „Die haben derart die Karten auf den Tisch gedroschen, dass es wirklich im ganzen Haus zu hören ist“, berichtet Bona. Zwar habe sich der Wirt, der aber nicht der Besitzer ist, einsichtig gezeigt. Aber gegen seine Kundschaft scheint er machtlos zu sein, meint Bona. Auf einer Versammlung der Lärmgeplagten stellte sich heraus, dass einige Anwohner schon länger die Lärmquelle kannten, sich jedoch nicht trauten, diesen Umstand an die Verwaltung weiterzugeben.

Seit Monaten Lärmbelästigung

Die dumpfen Schläge durch das Kartenspielen sind zwar nicht der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber viel scheint nicht mehr zu fehlen. Seit Monaten erdulden die Anwohner eine penetrante Lärmbelästigung, die an ihren Nerven zerrt. Schon mehrmals hat Bona die Polizei wegen Ruhestörung durch Gäste des „Café Royal“ gerufen und auch Biefe an Bürgermeister Jürgen Hoffmann verfasst. Aber scheinbar können die Behörden nichts machen, da alles im legitimen Bereich zu sein scheint.

Die Hausverwaltung hat bereits Abmahnungen an Martin Backenecker, Besitzer der Ladeneinheit, geschrieben, doch der wälzt die Verantwortung ab. Er hat das Ladengeschäft an die Layla GmbH, einen Automatenaufsteller, verpachtet. Und die wiederum habe den Laden weiter vermietet. Selbstverständlich habe Backenecker die Schreiben der Hausverwaltung weitergeleitet. Bis Redaktionsschluss war von der Layla GmbH dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

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Dass es schon immer mal wieder Probleme mit den verschiedenen Lokalen wegen Lärmbelästigung gegeben habe, bestätigt Hans-Peter Fehse, Verwaltungsbeirats-Vorsitzender der Wohneigentümergemeinschaft. Seit 33 Jahren lebt er bereits dort. Aber bislang habe man mit Gesprächen Vieles lösen können. Das weiß auch Anke Kuhni, die vor sechs Jahren dort nicht nur einzog, sondern die Wohnung auch kaufte. „Ich bin hierher gezogen, weil es sehr ruhig war. Unter heutigen Umständen hätte ich das niemals gemacht. Wenn es im Sommer durch die langansässige Pizzeria mal lauter wird, hilft ein Anruf und es wird sofort ruhiger,“ erzählt sie. Mit dem „Café Royal“ sei dies aber anders.

Den Klientel-Wandel bestätigen auch andere: Zum Beispiel Manuela Richter, Inhaberin des Friseurladens Stern. Seit 20 Jahren arbeitet sie im Leipziger Ring 178a. Und sie hat auch schon hinter der Theke des ehemaligen Cafés „Litfaß“ gearbeitet. „Das war ein buntes, alternatives Publikum“, erinnert sie sich. Da seinen auch viele Anwohner hingegangen. Die Gäste im „Cafe Royal“, das fast durchgängig geöffnet ist, dagegen kommen in der Regel mit dem Auto, parken in dem verkehrsberuhigten Bereich nicht auf den Parkflächen und fahren keine Schrittgeschwindigkeit, stellt Kraftfahrsachverständiger Bona immer wieder fest.

Die Hausbewohner und Anlieger führen jetzt Lärmprotokolle. Eine Grundlage, um eine Unterlassungsklage vor Gericht zu erwirken. Doch noch hoffen sie, dass sich vielleicht endlich mal alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Bevor es eskaliert.

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