Stillgestanden! Frankfurts Rolltreppen streiken

+
Fitness-Test: Passanten müssen Treppen steigen wenn Sie zur S-Bahn in der Ostendstraße wollen. Rollstuhlfahrer haben schlechte Karten. Einen Aufzug gibt es nicht.

Frankfurt – Nichts rollt mehr! Stillstand bei Frankfurts Fahrtreppen. Seit Wochen stehen Reisende an den Hauptverkehrsknotenpunkten des U- und S-Bahnverkehrs immer wieder vor stillstehenden Rolltreppen. Das macht die Fahrgäste wütend auf die Betreiber, die VGF und die Bahn. Von Mareike Palmy

Ärger mit defekten Rolltreppen? Schildern Sie uns Ihre Erlebnisse! Einfach eine E-Mail mit Namen an redaktion@extratipp.com schicken.

Ein „Drama mit fünf Aufzügen“ nennt eine Passantin den Weg von der Haupthalle des Hauptbahnhofs bis zur S-Bahn-Ebene. Will man die Höhendistanz zügig überwinden, kommt man ganz schön ins Schwitzen, denn Pendler und Reisende müssen die normale Treppe nehmen.
„Die Aussage, dass unsere Anlagen länger außer Betrieb sind, können wir nicht nachvollziehen“, sagt Hartmut Lange, Sprecher der Deutschen Bahn, die für die Rolltreppen im Bahnhof zuständig ist. Hauptsächlich das mutwillige Betätigen der Nothaltetaste oder wetterbedingte Schäden führe oft zu Störungen, so die Aussage der DB. Funktionierende Anlagen hätten für die Bahn schließlich höchste Priorität: „In der jüngeren Vergangenheit hat nur eine unserer 50 Fahrtreppen im Hauptbahnhof gestanden. 40 Treppen wurden bis 2006 erneuert, die restlichen stehen kurz vor der Erneuerung, laufen aber auch nicht störanfälliger als die neuen“, so Lange.

Manche Rolltreppen werden ab 20 Uhr abgestellt

Fitness-Test: Passanten müssen Treppen steigen wenn Sie zur S-Bahn in der Ostendstraße wollen. Rollstuhlfahrer haben schlechte Karten. Einen Aufzug gibt es nicht.

Trotz dieser Aussage waren in den vergangenen Tagen zeitweise einige Rolltreppen zum S-Bahnsteig außer Betrieb, auch in anderen S- und U-Bahnhöfen bewegen sich die Fahrtreppen nicht vorwärts. Am Kirchplatz, der Konstablerwache oder der Haltestelle Ostendstraße versperren notdürftig aufgebaute Schranken den Weg zu den Bahnen. Andere zentrale, vielbefahrene Rolltreppen werden nach 20 Uhr einfach abgestellt. „Das ist Schikane“, ärgert sich ein schwerbepackter Reisender am Aufgang West der Konstablerwache, weil er die Treppen steigen muss.

VGF gibt zu: Zu viele gehen nicht

Bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt ließen sich am Mittwoch sieben kaputte Rolltreppen zählen. „Zu viele“, weiß auch Sascha Reimann von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Rund 280 Fahrtreppen betreibt die VGF in der Mainmetropole. Und die sind nicht gerade billig: Bis zu 280.000 Euro kostet eine neue Rolltreppe, je nach Länge und Örtlichkeit. Trotzdem ist die VGF bemüht, defekte Rolltreppen zu reparieren: „Am Kirchplatz ist zurzeit der Antrieb der Fahrtreppe kaputt. Eine Reparatur würde 70.000 Euro kosten, also haben wir uns für eine neue Rolltreppe entschieden, da die alte auch bereits 25 Jahre alt ist“, berichtet Reimann.

Auch die Stadt kennt das Rolltreppenproblem

Die sinnvollen Treppen, deren Zweck es ist, Verkehrsströme zu kanalisieren, stoppen zurzeit allerdings eher den Verkehrsfluss an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen der Stadt, als ihn zu beschleunigen. Im Frankfurter Nahverkehrsforum wird seit Wochen rege über das Thema „Rolltreppen“ diskutiert. Wut und Ärger über die zuständigen Rolltreppen-Betreiber macht sich vermehrt breit. Ein Pendler: „Sie sind bequem, aber der Bahn wohl zu teuer, das kann nicht angehen, schließlich verliere ich jeden Tag wertvolle Zeit durch das Laufen und Durchdrängeln“.

Auch die Stadt Frankfurt kennt das Problem mit den kaputten Rolltreppen: „Immer wieder beschweren sich die Frankfurter über diese oder jene kaputte Rolltreppe, aber wir können auch nur auf die Bahn oder die VGF verweisen, geben die Beschwerde jedoch weiter“, erklärt Thomas Scheben, Leiter der Pressestelle.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare