Erst Bahnhofsviertel, jetzt Sachsenhausen

Stereobar dicht: Mecker-Masche macht Schule

+
  • schließen

Frankfurt - Erst im Bahnhofsviertel, jetzt in Alt-Sachsenhausen: Weil Anwohner sich über die Lautstärke beschweren, gibt es schon wieder Ärger im Frankfurter Nachtleben. Diesmal im Focus: Die Stereobar. Deren Macher verkünden jetzt per offenem Brief, dass die Kultbar schließen musste.

Lesen Sie dazu auch:
Beschwerdementalität muss gestoppt werden, sonst ist Frankfurt der Verlierer

Aufgrund von Beschwerden sei die Bauaufsicht der Stadt tätig geworden. Die Folge: Die Stereobar musste dicht machen. Dabei ging es den Betreibern zufolge nicht „um die typische Belästigung durch Musik aus dem Club, sondern darum, dass Anwohner sich durch Gäste auf der Straße auf dem Weg nach Hause belästigt fühlten“, sagten die Macher. Eine Diskothek sei an diesem Ort nicht zulässig, lautet die Begründung der Stadt. Man habe das in den vergangenen 20 Jahren offenbar nur nicht bemerkt. 

Sauer ist die Stereobar-Crew vor allem wegen einem Angebot der Stadt, doch stattdessen eine Apfelweingaststätte zu betreiben. „Allein der Vorschlag ist ein schlechter Witz“", beschwert sich das Team. Sie sehen sich quasi einem Berufsverbot ausgesetzt: „Es ist ein untragbarer Zustand, der hier von der Stadt Frankfurt geschaffen und aufrechterhalten wird. Eine gesicherte, wirtschaftliche Investition ist so nicht möglich.“ 

Schon vor zwei Wochen hatten Anwohnerforderungen im Bahnhofsviertel für gehörigen Aufruhr gesorgt. Ein Handzettel wurde dort von Unbekannten in Umlauf gebracht, auf dem Neuzugezogene dazu aufriefen, sich doch kollektiv beim Ordnungsamt über den Lärm diverser Clubs und Bars zu beschweren, um zahlreiche Lärmmessungen zu erzwingen. Auch jetzt in Sachsenhausen stehen sich dieselben Fronten gegenüber. Auf der einen Seite die alteingesessenen Clubs und Bars, auf der anderen Anwohner, die immer häufiger auf ihr Recht auf Ruhe pochen. Das Argument, dass es in einem Amüsierviertel doch lauter zugehen darf, als woanders, zählt für das Frankfurter Ordnungsamt nicht. 

Michael Jenisch: „Für alle Stadtteile Frankfurts, die Mischgebiet sind, gelten dieselben Vorgaben.“ Das heißt: Die Stadt macht keinen Unterschied, ob es im Bahnhofsviertel und Sachsenhausen laut wird, oder in einem ruhigen Viertel am Stadtrand. Sogar baurechtliche Spitzfindigkeiten werden wie im Fall der Stereobar angewandt, um das Ziel zu erreichen. Die Stadt ist dabei aber offensichtlich nicht die treibende Kraft. 20 Jahre lang durfte die Bar anstandslos betrieben werden. Erst als sich Anwohner beschwerten, musste das Amt durchgreifen. Erst im Bahnhofsviertel, jetzt in Sachsenhausen. Die Sache scheint Schule zu machen.

Mehr zum Thema

Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

Kommentare