Fiskus greift sich über 15.000 Euro

Steinbacherin muss ihre Altersvorsorge nachversteuern  

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Die Finanzplanung ihrer Pensionskassenansprüche sah 2002 noch anders aus: Knapp zehn Jahre wurden Katrin Trodlers Leistungen rückwirkend voll versteuert. Ihr bleibt weniger als die Hälfte.

Steinbach – Sie wollte fürs Alter vorsorgen und entschied sich für die Einzahlung in eine Pensionskasse. Als Karin Trodler inbRente  geht, kommt der Schock mit der Post vom Finanzamt. Der Fiskus verlangt rückwirkend mehr als 15. 000 von dem gesparten Geld. Von Dirk Beutel 

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Karin Trodler wollte wie viele andere Arbeitnehmer auch für ihren Ruhestand über ihre normale Rente hinaus zusätzlich vorsorgen. Vor zwölf Jahren hat sie daraufhin über ihren Arbeitgeber in gutem Glauben eine Pensionkasse abgeschlossen. Monatlich wurde ihr daraufhin ein Betrag in Höhe von 180 Euro vom Lohn steuer- und abgabenfrei überwiesen. Darüber hinaus machte die 65-Jährige jede Möglichkeit der Leistungssteigerung mit, und bezahlte so am Ende 230 Euro jeden Monat. Vergangenes Jahr ging Trodler schließlich in Rente und wurde von ihrem Anbieter vor die Wahl gestellt, ihre Leistung entweder als lebenslange Rente in Höhe von etwa 157 Euro ausgezahlt zu bekommen oder eben als Einmalzahlung. Die Steinbacherin wählte die Komplett-Auszahlung – als Alterskapital.

Auch die Krankenkasse meldete rückwirkend Ansprüche

Mit dem Lohnsteuerausgleich kam jedoch die böse Überraschung: Von den ausgezahlten 34.700 Euro blieben Trodler am Ende schmale 12.700 Euro übrig. Und nicht nur das: Auch die Krankenkasse der 65-Jährigen meldete rückwirkend Ansprüche aus den vergangenen zehn Jahren an. Die Rentnerin ist nach Angaben ihrer Krankenkasse verpflichtet, zehn Jahre lang monatlich 50,76 Euro also umgerechnet über 6091 Euro nachzuzahlen. Trodler kann nach diesen Forderungen nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: „Warum wurde diese Form des Sparens angeboten, wenn der Gesetzgeber im Nachhinein den Vorteil wieder rückgängig macht?“ Wirtschaftsprüfer Steuerberater Armin Heßler: „Das ist ein heißes Thema, ein echter Dauerbrenner. Steuern zahlen will niemand.“ Der Gesetzgeber habe nach und nach seit dem Jahr 2004 die Besteuerung für freiwillige Programme zur Altersvorsorge  angehoben. „Aber der Frau sind im Grunde keine Nachteile entstanden, da ihre monatlichen Beiträge steuerbegünstigt wurden. Sie konnte diese Leistung aus unversteuertem Geld aufbauen, Sozialbeiträge waren auch nicht zu entrichten.“

Einmalige Auszahlung war eventuell Fehler

Dabei handele es sich um das Konzept der nachgelagerten Versteuerung. Ebenfalls ein Vorteil, da die Besteuerung während Trodler noch arbeiten ging, höher gewesen wäre, als nun als Rentnerin. Und: „Die einmalige Auszahlung war eventuell ein Nachteil. Hätte sie sich die angesparte Summe monatlich auszahlen lassen, wäre der Betrag wahrscheinlich so klein gewesen, dass eventuell gar keine Steuer angefallen wäre.“ Trodlers Wut ist mindestens genauso groß wie ihre Ratlosigkeit. Über Gesetzesänderungen sei sie nie informiert worden: „Wenn man einen Vertrag macht, hat man sich daran zu halten. Aber der Gesetzgeber kann machen was er will. Das ist nicht gerecht.“

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