Sehr gefährlich!

Abkürzen über den Standstreifen - Chaos auf A5, A3 und A661

+

Region Rhein-Main – Wahnsinn auf der Autobahn: Nur um ein paar Minuten früher am Ziel zu sein, riskieren ungeduldige Autofahrer Tag für Tag das Leben anderer, weil sie den Standstreifen zum Überholen benutzen. Von Dirk Beutel

Vergangene Woche ist der Autobahnpolizei ein 26-Jähriger ins Netz gegangen, der seit mehreren Tagen den Standstreifen mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Frankfurt missbraucht haben soll. Allerdings erwischten ihn die Ermittler nur, weil auf dem Standstreifen ein anderes Auto liegen geblieben war. Bei der Verfolgung des Rasers notierten die Ermittler eine Geschwindigkeit von sagenhaften 160 Stundenkilometern. Als Motiv nannte die Polizei, dass der Raser den stockenden Berufsverkehr überholen wollte. Der Fall steht fast schon symbolisch für den Wahnsinn, der sich alltäglich auf den Autobahnen abspielt. Vor allem bei uns im Rhein-Main-Gebiet.

Täglich drängeln sich zwischen A5, A3 und A661 Pendler durch die Autobahn. Stau und zähfließender Verkehr gehört zum Alltag. Doch je länger eine Stauphase dauert, umso schneller verlieren einige Fahrer offenbar die Nerven. Um Zeit zu sparen, scheren sie aus der Blechlawine aus, biegen auf den Standstreifen und geben ordentlich Gas. Für ein ein paar eingesparte Minuten ignorieren sie die Straßenverkehrsordnung. Mehr noch: Sie riskieren mit dieser Fahrweise das Leben anderer. Wie im Fall des 26-jährigen Rasers. Denn grundsätzlich ist das Befahren des Seitenstreifens nicht erlaubt. Er darf nur in Notfällen benutzt werden, etwa bei einer Auto-Panne und kann als Weg dienen, dass Rettungs- oder Abschleppdienste schneller zu einem Unfallort kommen.

Ein Punkt in Flensburg droht

„In Ballungsgebieten beobachten wir dieses fahrlässige Verhalten vor allem zur Rush Hour. Das ist alles andere als ein Kavaliersdelikt“, sagt Hannes Krämer, Rechtsexperte des Automobilclubs Europa. „Das wird in dem Moment besonders gefährlich, wenn sich auf der Standspur im gleichen Moment ein Auto mit einer Panne befindet und obendrein noch Menschen nebendran stehen, wenn sie sich noch nicht hinter der Leitplanke aufgestellt haben.“ Wer erwischt wird, muss mit einer Straße von mindestens 75 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Das Perfide: Sobald ein Fahrer damit anfängt, den Seitenstreifen zu missbrauchen, machen es ihm nur wenig später zahlreiche andere nach. „Sofern durch das Benutzen des Seitenstreifens auch eine konkrete Gefährdung hinzukommt, kann es sich um eine Gefährdung des Straßenverkehrs und damit um eine Straftat handeln. Bei einer solchen gibt es keine feststehende Geldbuße mehr, sondern eine Geldstrafe, die am Einkommen sowie an der Schwere der Tat bemessen wird“, sagt Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen. Auch er kennt das Abkürzen über den Standstreifen: „Das passiert vor allem, wenn die eigene Ausfahrt in Sichtweite ist, auch wenn diese noch 200 oder 300 Meter entfernt ist.“ Es gibt allerdings Ausnahmen, wann der Seitenstreifen befahrbar ist, wie Hannelore Herlan, Sprecherin der Deutschen Verkehrswacht, erklärt: „Die Polizei kann den Seitenstreifen freigeben, etwa um eine Unfallstelle zu umfahren. Eine elektronische Verkehrsbeeinflussungsanlage gibt den Seitenstreifen nur bei hohem Verkehrsaufkommen frei.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare