Statt zu verhandeln, fordert Amt Abriss

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Ein Jahr lang hörte Giuseppe Di Gabriele nichts von der Bauaufsicht und investierte in sein Restaurant. Jetzt soll er die Terasse samt Überdachung abreißen.

Offenbach – Vom stets gut gelaunten Gastwirt Giuseppe Di Gabriele ist nicht mehr viel übrig. Existenzangst hat seine Züge hart gemacht. Die Stadt Offenbach fordert, dass der Gastronom die überdachte Außenterrasse seines Restaurants in der Birkenlohrstraße abreißt. Dabei hatte das Büro des Oberbürgermeisters nach einem Bericht des EXTRA TIPPs vor einem Jahr Entgegenkommen signalisiert. Von Christian Reinartz

Doch davon will der Leiter der Offenbacher Bauaufsicht, Helmut Reinhardt, nichts mehr wissen. „Herr Di Gabriele verstößt eindeutig gegen die Vorgaben“, begründet er das rigorose Vorgehen seines Amtes. Die Forderung: Die mit einer Holzkonstruktion überdachte Terrasse muss inklusive Fußboden und angrenzendem Pflasterstein-Bodenbelag innerhalb von zwei Monaten beseitigt werden. Zudem soll Gabriele den Gaststätten-Betrieb in diesem Bereich komplett einstellen.

Keine Pizza auf der Außenterrasse mehr

Pikant: Nachdem der EXTRA TIPP über die Problematik berichtet hatte, meldete sich die Bauaufsicht nicht mehr – ein ganzes Jahr lang! Di Gabriele ging davon aus, dass sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hatte und investierte in die Einrichtung seines Restaurants, anstatt nach Frankfurt umzusiedeln. Schließlich hatte der Referent des Oberbürgermeisters, Gordon Hadler, Entgegenkommen signalisiert.

Doch jetzt der große Knall! Di Gabriele: „Erst melden die sich ein Jahr nicht, und dann wollen sie mich fertig machen“, regt sich der italienische Gastronom auf: „Wenn ich befolge, was die fordern, kann ich meinen Laden doch dicht machen.“

Die Stadt stellt die Situation anders dar. Di Gabrieles Anwalt habe sich einfach nicht mehr gemeldet, so Gordon Hadler, sodass der Stadt letztendlich keine Wahl geblieben ist. Die lange Zeit ohne ein Wort von der Stadt begründet Helmut Reinhardt mit der normalen Laufzeit eines solche Vorgangs. Warum keiner der Beamten zum Telefonhörer gegriffen habe, weiß im Rathaus aber niemand.

Suche nach tragbarer Lösung

Auf Nachfrage des EXTRA TIPP lenkt Hadler ein: „Wir sind weiterhin bereit, gemeinsam mit Herrn Di Gabriele nach einem wirklich echten Kompromiss im Bereich des gesetzlich möglichen zu suchen.“ Auch der Gastronom ist bereit, mit der Stadt eine für ihn tragbare Lösung zu erarbeiten und will sich nun im Rathaus melden.

Der EXTRA TIPP wird den Fall weiter verfolgen.

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