Erwachsene richten Verkehrschaos an

Eltern-Taxis vor Schulen: Erste Städte kapitulieren!

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Nach den Sommerferien parken auch vor den Schulen der Region wieder zahlreiche Eltern, um ihre Kinder sicher abzusetzen. Damit gefährden sie Schulkinder, die selbstständig zum Unterricht kommen.

Region Rhein-Main – Parken im Halteverbot, hektische Mütter, Chaos auf der Straße: Wenn in zwei Wochen das neue Schuljahr beginnt, sorgen Eltern-Taxis wieder für Trubel vor den Schulen. Jetzt kapitulieren die ersten Städte. Von Fabienne Seibel 

Sobald in zwei Wochen wieder die Schule beginnt, geht auch das Verkehrschaos vor den Schulen in eine neue Runde. Dann parken Eltern-Taxis wieder im Halteverbot, blockieren die Straßen und gefährden genau mit diesem Verhalten die eigenen und auch andere Kinder. Statt das Problem härter anzugehen, scheinen nun die ersten Städte vor den überfürsorglichen Eltern zu kapitulieren. „Das Problem mit Eltern-Taxis besonders vor Grundschulen wird sich nie bessern“, ist sich Manfred Weil vom Langener Ordnungsamt sicher. „Durch die Einschulungen kommen immer wieder neue Kinder und Eltern an die Schulen. Es wird immer Mütter und Väter geben, denen man klar machen muss, dass sie ein Verkehrschaos anrichten und sich nicht vorbildlich verhalten. Das bekommt man nicht in den Griff.“

Weil zufolge sind es vor allem Bequemlichkeit und die Angst der Eltern, dass ihrem Kind auf dem Schulweg etwas passieren könnte, die dazu führen, dass täglich vor den Schulen der Region Autos im Halteverbot ein regelrechtes Chaos auslösen. „Zwar sind unsere Ordnungsbeamten ab und zu an den Schulen vor Ort, aber wir haben gar nicht das Personal dafür, regelmäßig zu kontrollieren, ob sich jemand der Erwachsenen verkehrswidrig verhält“, sagt Weil.

Auch die Stadt Heusenstamm steht vor diesem Problem. Günter Fischer vom Ordnungsamt: „Uneinsichtige und überfürsorgliche Eltern wird es immer geben. Sobald das Wetter ein bisschen schlecht ist oder die Kinder müde sind, werden sie mit dem Auto bis zur Schule kutschiert, egal, wie weit sie es haben.“ Besonders an der Heusenstammer Adolf-Reichwein-Schule sorgen Eltern-Taxis für Verkehrsprobleme. „Dort ist zu den Bring-und Abholzeiten ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, unsere Ordnungsbeamten sind regelmäßig vor Ort und verteilen Strafzettel. Anders lernen es die Eltern nicht“, sagt Fischer.

Eltern-Taxis sind wachsendes Problem

Im Taunus gibt es ebenfalls ständig Ärger mit Eltern-Taxis. Anett Putbrese von der Stadt Bad Soden sagt: „Eine dauerhafte Lösung gegen Eltern-Taxis gibt es nicht. Man kann nur durch entsprechende Aufklärung versuchen, die Eltern zum Umdenken zu bringen.“ Zumindest werden in Bad Soden in den Herbst- und Wintermonaten einmal monatlich an jeder Grundschule sogenannte Schulwegsicherheitstage veranstaltet. Putbrese: „An diesen Tagen sind verstärkt Ordnungsbeamte an den Schulen im Einsatz. Sie stehen als Ansprechpartner für Fragen bereit, und weisen Eltern auf falsches Verhalten hin.“

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Dass Kinder mit dem Auto zum Unterricht gebracht und wieder abgeholt werden, ist ein wachsendes Problem. Cornelius Blanke vom ADAC-Hessen: „Leider hat die selbständige Mobilität von Kindern auf dem Schulweg in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Kinder in den ersten beiden Grundschulklassen werden besonders häufig mit dem Auto zur Schule gebracht.“

Auch Dan Orbeck vom Verkehrsdezernat Frankfurt weiß, dass das gut gemeinte Verhalten mancher Eltern zum Gegenteil führt: „Die Eltern schaffen eine Situation, die für alle Kinder gefährlich wird. Es wird wild geparkt, ohne Rücksicht auf Verluste rangiert, die Kinder sind im Auto nicht richtig gesichert und zu Fuß gehende Kinder werden leicht übersehen, wenn sie zwischen parkenden Autos auftauchen.“ Dass manche Städte vor den Eltern-Taxis kapitulieren, kann Blanke nicht verstehen: „Es muss das Ziel sein, den Anteil an ’Autokindern’ insbesondere an größeren Schulen zu verringern und den restlichen Hol- und Bringverkehr auf sichere Orte wie Elternhaltestellen zu verlagern.“ Blanke meint: „Es müssen mehr Alternativen zu Eltern-Taxis angeboten und die Kinder zu mehr Selbstständigkeit erzogen werden.“

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