Städte und Bauern schlagen Alarm

Hunde-Urin zerstört Pflanzen und Baumwurzeln

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So ein bisschen Hunde-Pipi kann doch nicht schaden? Doch! Denn, wenn viele Hunde immer wieder auf dieselbe Stelle urinieren, schädigen sie Pflanzen und Bäume.

Region Rhein-Main – Alle regen sich über Hundehaufen auf. Darüber, dass Hunde überall hinpinkeln, spricht niemand. Dabei richtet der stete Urintropfen große Schäden an. Ein Pinkel-Verbot gibt es nicht. Von Christian Reinartz 

Hunde-Urin ist eine echt ätzendes Zeug. Aggressive Inhaltsstoffe machen fast alles mürbe, was mit ihm dauerhaft in Berührung kommt. Gräser sterben ab, Bäume gehen ein und Metall korrodiert. Die Schäden lassen sich nur schwer beziffern, dürften jedoch je nach Kommune horrend sein.

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Trotzdem lassen Hundehalter ihre Tiere gnadenlos überall hinpinkeln, wenn Bellos Blase drückt. Denn ein Gesetz, das Hunden das Pinkeln verbietet, gibt es nicht. Rein rechtlich darf der Halter Wuffi also pinkeln lassen, wo er will – und ist damit auf der sicheren Seite, solange nichts unmittelbar beschädigt wird.

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Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Und diese Schäden beseitigen dürfen dann in der Regel die örtlichen Grünflächenämter oder die Stadtreinigungen. „Wir haben immer wieder Pflanzen, die eingehen, weil sie an Ecken stehen, wo Hunde hinpinkeln“, sagt Bernd Roser, Abteilungsleiter Grünflächenunterhaltung der Stadt Frankfurt. Gerade bei Baumscheiben (Erdbereich rund um einen Baum, der etwa auf einem Bürgersteig steht) sei der Hunde-Urin ein großes Problem. „Da haben wir aber zusätzlich noch andere Faktoren, wie einen zu verdichteten Boden und zu wenig Wasser, was zusammen mit dem Urin die Pflanzen schädigt.“

Statuen müssen gereinigt werden

Auch seine Kollegin Sabine Rosenberg, für den Bereich Grünpflege bei den Städtischen Betrieben der Kreisstadt Dietzenbach zuständig, kennt das Pinkel-Problem. „Es gibt Ecken, da gehen uns die Pflanzen ein.“ An anderer Stelle in Dietzenbach steht eine Bronzestatue, der sogenannte Ausscheller. Schon wenige Monate nach Aufstellen der Figur war sie bis zu den Knien komplett mit Grünspan überzogen und musste aufwendig gereinigt werden. Seitdem hält ein Gitter die Hunde auf Abstand.

Auch beim Hessischen Bauernverband in Friedrichsdorf (Taunus) ärgert man sich über Herrchen, die ihre Hunde überall gnadenlos hinurinieren lassen. Sprecher Bernd Weber: „Das ist eklig und unhygienisch. Wenn es nur eine Wiese oder eine Fläche wäre, auf der nichts Essbares wächst, wäre das halb so schlimm“, sagt Weber. Aber die Hunde pinkelten ja auch auf Gemüse, das dann unter Umständen später so beim Verbraucher landete. „Und sowas vermutet ja keiner, wenn er frischen Kohl oder Salat kauft.“

Pflanzenzellen werden verätzt

Wie aggressiv Hunde-Urin ist, weiß Biologe Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen. „Er enthält Harnsäure, die die Zellen von Pflanzen angreift und verätzt.“ Freilich passiere noch nichts bei einmaligem Kontakt mit Hunde-Urin. „Wenn aber Hunde immer wieder auf dieselbe Stelle urinieren kann das zum Beispiel das feine Wurzelwerk eines Baumes auflösen. Dann ist mitunter sogar die Standfestigkeit bedroht“, sagt Langenhorst. Gerade bei Baumscheiben im städtischen Bereich sei das ein ernstzunehmendes Problem. „Der Boden wird durch die viele Harnsäure regelrecht kontaminiert.“ Das Pinklen gegen die Rinde und die darunterliegende Schicht würde diese auf Dauer wegätzen. „Dann kann der Baum unter Umständen seine Nährstoffe nicht mehr richtig transportieren“, warnt Langenhorst. Dass Hundebesitzer jetzt gerne argumentieren, dass das „Markieren“ mit Urin zum natürlichen Wesen des Hundes gehöre und man das nicht verbieten dürfe, weiß der bekannte Hundetrainer Holger Schüler aus Worms. Er stellt klar: „Die Tiere müssen so erzogen werden, dass sie erst dann pinkeln, wenn das Herrchen es sagt. Das zu trainieren hat noch keinem Hund geschadet. Doch dazu haben die meisten Halter wenig Lust.“

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