Stadt schwächt den Schultheisweiher

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Ein Mähboot auf dem Schultheisweiher.

Offenbach – Kein anderer See in der Region wird so oft von Blaualgen befallen wie der Offenbacher Schultheisweiher. Im Moment machen die giftigen Biester zwar Pause, aber damit könnte es schon bald vorbei sein. Denn die Stadt lässt auf 1,5 Hektar Wasserpflanzen abmähen, die die Blaualgen eigentlich in Schach halten. Der Grund: Die Badegäste sollen nicht beim Schwimmen an den Füßen gekitzelt werden. Von Christian Reinartz

„Die Leute sollte sich lieber an die Wasserpflanzen gewöhnen“, sagt Klaus Kreft, Pressesprecher des Naturschutzbundes des Kreises Offenbach. „Damit riskiert die Stadt doch, alles zunichte zu machen, wofür sie bisher gekämpft hat.“ 200.000 Euro wurden laut Pressestelle in den letzten fünf Jahren in die Rettung des Schultheisweihers investiert.

Schwimmen ohne Pflanzen sei sicherer

Projektleiter Helmut Teichmann: „Der See ist in einem so guten Zustand, dass das keine Auswirkungen haben wird.“ Stattdessen sei das Schwimmen für die Badegäste ohne die störenden Fadenalgen und Wasserpflanzen angenehmer und sicherer. Zudem würden nur 1,5 Hektar des zehn Hektar großen Gewässers abgemäht. „Und auch nur bis auf maximal zwei Meter Tiefe.“ Ein Umstand, der seine Brisanz erst offenbart, wenn man die geringe Wassertiefe des Weihers betrachtet: Etwa drei Meter.

Bei einer ähnlichen Mäh-Aktion im Jahr 2006 war es schon einmal zu einer Komplikation gekommen. Damals war der nährstoffreiche Grund mit einer Schleppsense aufgewühlt worden. Danach musste der Weiher wegen zu vieler Blaualgen geschlossen werden. „Das war aber höchstens ein Teilgrund“, relativiert Teichmann: „Damals standen wir mit der Weihersanierung noch am Anfang. Diesmal wird höher geschnitten.“

Wasserpflanzen bekämpfen fiese Blaualgen

Teichmanns Optimismus wird von Jörg Oehlmann, Professor für aquatische Ökotoxikologie an der Uni Frankfurt, gedämpft: „Je mehr Wasserpflanzen dort sind, desto weniger Lebensgrundlage haben die Blaualgen.“ Das System würde durch eine solche Mäh-Aktion also in jedem Fall geschwächt. Dass das alleine reicht, um die gefährlichen Blaualgen erneut überhand nehmen zu lassen, glaubt Oehlmann aber nicht: „Das Problem sind die verrottenden Grünabfälle, die den Blaualgen als Nährstoff dienen.“ Damit das nicht passiert, wurden die abgeschnittenen Pflanzenreste nach Aussagen der Stadt wieder eingesammelt. Doch Oehlmann gibt zu bedenken: „Einiges wird sicher überbleiben.“

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