Die Stadt riskiert den Dom-Blick: Frankfurter kämpft für freie Sicht

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Ulrich-Irato Hildmann zeigt den freien Blick auf den Frankfurter Kaiserdom, der bald von der Stadt zugebaut wird.

Frankfurt – Der freie Blick auf den Frankfurter Dom soll bald Geschichte sein. Die Stadt hat beschlossen den archäologischen Garten zu überbauen. Doch Ulrich-Irato Hildmann aus Frankfurt will verhindern, dass der Panoramablick verbaut wird. Von Angelika Pöppel

„Es ist unfassbar“, sagt Ulrich-Irato Hildmann. Der Frankfurter will verhindern, dass die geplante

Überbauung des archäologischen Gartens den Blick auf die komplette Westseite des Kaiserdoms versperrt. Die Stadt will mit der Überbauung die alten Steinmauern schützen. Doch das bewilligte Model, des beauftragten Architekten Tom Meurer aus Frankfurt sieht zusätzlich vier Gebäude vor, die drei Stockwerke hoch sind. Damit könnten Besucher nur noch die Spitze des Doms bewundern. Die Gebäude sollen einen Ausstellungsraum, Geschäfte und Wohnungen beherbergen. Hildmann ist für den Schutz der archäologischen Funde, aber gegen die hohen Gebäude direkt vor dem Dom. Und damit ist er nicht allein: Er sammelte hunderte Unterschriften und bekommt viel Zuspruch auf seiner Internetseite www.sos-dompanorama.de, auf der er über

die Baupläne der Stadt informiert.

Die Altstadt soll nach historischem Vorbild wieder aufgebaut werden

„Der Dom war noch viel dichter eingebaut“, sagt Patrik Brummermann von der Dom-Römer GmbH , eine Tochtergesellschaft der Stadt. Der freie Blick auf den Dom bestehe erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Planung von Architekt Meurer sei die Dom-Römer GmbH sehr zufrieden. Auch Die Bürgerinitiative Altstadtforum steht hinter dem Neubau. Obwohl die Mitglieder für eine originalgetreue Rekonstruktion der Altstadt sind, akzeptieren sie das moderne Modell des Frankfurter Architekten. „Die Gebäude fügen sich in das Altstadtbild ein“, sagt Jürgen Aha vom Altstadtforum. Außerdem gebe es nicht genügend Informationen, um die Gebäude nach historischem Vorbild aufzubauen. Dennoch stimmt Jürgen Aha dem engagierten Frankfurter Hildmann zu, dass die Gebäude nicht zu hoch werden dürfen. „Das Misstrauen der Bürger ist hoch“, sagt Aha. Und das sei auch gut.

Der Architekt nimmt Beschneidung des Dom-Blicks in Kauf

„Beides – die Altstadt originalgetreu wiederaufbauen und den freien Blick auf den Dom – könne man nicht unter einen Hut bringen“, meint Architekt Meurer. Er hat sich mit seinem Modell für das „Altstadtraumgefühl“ entschieden. Denn „der Entwurf orientiert sich an der historischen Höhe der Gebäude.“ Für Hildmann zählt der seit 60 Jahren bestehende freie Blick auf den Dom: „Das ist auch historisch.“

Bebauung soll im Frühjahr 2011 starten

Der Entwurf des Architekten Tom Meurer zeigt die Überbauung (braun) des archäologischen Gartens vor dem Dom (links).

Das Stadtplanungsamt hat beschlossen, die historischen Gebäude „das rote Haus“ und „die goldene Waage“ gegenüber dem Schirn-Museum nachzubauen und in eine Häuserreihe zu integrieren. Bis Ende März läuft die Feinplanung für die Überbauung des archäologischen Gartens. Laut Brummermann sollen die Bauarbeiten voraussichtlich im nächsten Frühjahr beginnen – es sei denn, Hildmann und seine Anhänger verhindern den Bau.

Die Baupläne am Dom-Areal

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