Stadt Offenbach legt ihr Behinderten-Auto lahm

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Auto-Reparatur abgelehnt: Ohne Auto kann Heike Herrmann sich nicht mehr wie früher für die Rechte der Behinderten engagieren. 

Offenbach – Seit sie 13 Jahre alt ist, ist Heike Herrmann an den Rollstuhl gefesselt. Jetzt hat ihr auch noch die Stadt Offenbach Fesseln angelegt. Sie will das Auto der Behinderten nicht mehr finanzieren. Offiziell heißt es, Heike Herrmann, die von der Grundsicherung lebt, stehe kein Fahrzeug zu. Darauf, warum die Stadt aber jahrelang bereitwillig und anstandslos bezahlt hat, gibt es vom Büro von Bürgermeisterin Birgit Simon keine Antwort. Von Christian Reinartz

Heike Herrmann sitzt im Rollstuhl, ist aber dennoch aktiv. Zumindest war sie das bis März. Dann platzt auf der Autobahn der Motor ihres acht Jahre alten Toyota Yaris und das Drama beginnt: Die Stadt weigert sich zu zahlen. „Und das, obwohl Bürgermeisterin Birgit Simon mir erst vor kurzem in einem Gespräch persönlich zugestanden hat, dass ich unbedingt ein Auto brauche“, sagt Herrmann hilflos: „Aber da war es ja auch noch nicht kaputt.“

Nach 30 Jahren wurde das Auto gestrichen

Zum Hintergrund: Seit 30 Jahren fährt Heike Herrmann ein behindertengerechtes Fahrzeug. Das wurde ihr seit jeher vom Staat bezahlt, weil sie sich sozial bis über die Grenzen Offenbachs hinaus engagierte. Die 49-Jährige berät mit ihrem Verein „Offenbacher Behinderten Selbsthilfe Treff“ Leidensgenossen aus der ganzen Rhein-Main-Region im Umgang mit Ämtern, gibt Tipps und schaut der Stadt Offenbach auf die Finger, wenn es etwa um die Einrichtung von Behindertentoiletten geht.

Sie vermutet, dass in diesem Engagement auch der Grund für den plötzlichen Sinnenswandel bei der Stadt liegt: „Die Stadt will mich offenbar ruhig stellen“, mutmaßt Herrmann: „Ich bin denen mit meinem Engagement für Behinderte ziemlich unbequem geworden.“

Hermann erfülle nicht die Kriterien für das Auto

Die offizielle Begründung, laut dem persönlichen Referenten von Bürgermeisterin Birgit Simon, Mathias Trümner-Friese: „Nach Prüfung des Falls, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Frau Herrmann die Kriterien für ein solches Auto nicht erfüllt.“ Das liege unter anderem daran, dass Heike Herrmann nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen könne. Das sei aber eine wichtige Voraussetzung, um ein solches Auto bewilligt zu bekommen.

Darüber, warum die Stadt jahrelang die Reparaturen, Bereifung, und Unterhaltskosten anstandslos übernommen hat und ihr Recht auf ein solche Fahrzeug offenbar anerkannt hat, hüllt sich Trümner-Friese in eisernes Schweigen.

Hermann vermutet, dass sie zu unangenehm für die Stadt wurde

Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sieht man den Fall kritisch. Pressesprecherin Heike Helfer: „Die Eingliederungshilfe-Verordnung normiert die Hilfe zur Beschaffung eines Kraftfahrzeugs ausdrücklich auch als Leistung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.“ Für Heike Herrmann bestätigt das den gehegten Verdacht gegen die Stadt.

Und tatsächlich: Im Rathaus ist zu vernehmen, dass ihr Engagement für die Rechte der Offenbacher Behinderten nicht überall in den Verwaltung gut angekommen ist. Wegen Belanglosigkeiten habe sie die Stadt immer wieder ermahnt und auf Trab gehalten, verrät ein Mitarbeiter.

Heike Herrmann hat der Ablehnung der Kostenübernahme jetzt erst einmal widersprochen. Der EXTRA TIPP wird die Sache weiter verfolgen.

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