"Vertreibung ist völlig sinnlos"

Stadt vertreibt Tauben in Sachsenhausen: Tierschützer schlagen Alarm

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Marie Bech
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Frankfurt – Innerhalb eines Jahres hat Marie Bech ehrenamtlich die Tauben-Plage an der Oppenheimer Brücke in Sachsenhausen eingedämpft. Die Stadt hat nun Schädlingsbekämpfer engagiert. „Das ist völlig sinnlos!“, ist Brech überzeugt. Von Angelika Pöppel

Die Ratten der Lüfte, wie Tauben im Volksmund genannt werden, haben es Marie Bech angetan. Schon seit Jahren kümmert sie sich beim Frankfurter Stadttaubenprojekt um die Tiere, die keiner haben will. Seit einem Jahr hat sie sich die Oppenheimer Brücke in Sachsenhausen vorgenommen, die lange als Schandfleck

Zentimeterhoch türmte sich der Taubenkot.

galt. Sie und andere ehrenamtliche Helfer kratzten gemeinsam kiloweise Taubendreck von den Mauern. Auf den Straßenlampen stapelte sich der Kot zentimeterhoch an. Unterstützt wurde ihre Arbeit von der FES, die den Sondermüll vor Ort abholte. „Zusätzlich tauschen wir ihre Eier gegen Plastik-Attrappen, um die Population der Tauben in der Stadt zu reduzieren“, sagt Bech. Wo sich einst etwa 100 Tauben tummelten, waren es zuletzt nur noch 30 bis 50 Tiere. Die Anwohner waren dankbar.

Kiloweise Taubendreck entfernt

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Doch jetzt ist Schluss damit! Ein Schädlingsbekämpfungs-Team hat im Auftrag der Stadt die Tauben-Nester entfernt und die Tiere somit verscheucht. Das Stadttaubenprojekt wurde nicht informiert. „Beim Ortsbeirat 5 sind wieder Beschwerden von Bürgern eingegangen, deshalb sollen die Tiere jetzt ganz weg“, erfuhr Brech im Nachgang. Allerdings habe der Taubendreck nie die Fußgänger gestört, sondern lediglich Autofahrer, die unter der Brücke parkten. „Es ist völlig sinnlos, die Tiere so zu vertreiben. Sie werden sich woanders niederlassen und dort Probleme machen. Und dann können wir ihre Eier nicht mehr kontrollieren“, sagt die Ehrenamtlerin. Die Mitarbeiter der Stabstelle Sauberes Frankfurt suchen derzeit noch nach einem Ort für einen neuen Taubenschlag, den die Tiere anfliegen können. „Das Dach des Grünflächenamts an der Galluswarte ist im Gespräch, aber generell ist es schwierig einen Ort zu finden“, sagt Pressesprecher Michael Eichenboom und fügt hinzu: „Wir haben derzeit noch viele andere Projekte.“

Die Tierschützerin ist entsetzt: „Man hätte erst eine neue Bleibe suchen müssen!“ Ihre Mühen scheinen nun völlig umsonst gewesen, auch eine Studie hatte das Stadttaubenprojekt gerade gestartet. „Leider ist es jetzt nicht mehr rückgängig zu machen“, sagt die junge Frau. Wann die Gitter angebracht werden sollen, ist noch unklar.

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Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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