Spielzeug löst Polizeieinsatz aus

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Sieht aus wie eine echte Waffe, ist aber nur eine Softairpistole, die Plastikugeln verschießt.

Region Rhein-Main – Groß-Alarm in Groß-Zimmern und Groß-Umstadt. Anwohner und Passanten hatten Jugendliche auf der Straße mit Waffen hantieren gesehen und sofort die Polizei alarmiert. Die rückte jeweils mit mehreren Streifen aus – und trafen auf naive Jungs mit täuschend echt aussehenden Schusswaffen. Von Norman Körtge

Angst und Schrecken bei den Anwohner der Richer Straße, der Breiten Gasse und des Adenauerrings in Groß-Umstadt. Ein Jugendlicher mit Schusswaffe laufe durch die Gegend, melden gleich mehrere besorgte Bürger per Notruf an die Polizei. Mehrere Streifenwagenbesatzungen machen sich sofort auf die Suche nach dem vermeintlichen Amok-Läufer. Schnell haben sie ihn gestellt. Es ist ein 13-jähriges Kind, von der Statur her wirkt er aber viel älter. In der Bauchtasche seines Kapuzenpullovers holt er eine so genannte Softairpistole samt Plastikugeln. „Selbst aus kurzer Distanz war eine Unterscheidung zu einer echten scharfen Waffe nicht möglich“, berichtet Polizei-Pressesprecher Karl Kärchner.

Kein Einzelfall: Nur wenige Tage später in Groß-Zimmern. Kurz vor 22 Uhr beobachten Mitarbeiter eines Einkaufsmarktes wie vor dem Laden zwei junge Männer mit einer Waffe hantieren. Wieder eilen Polizisten zum Tatort. Diesmal ist es ein Brüderpaar – 14 und 16 Jahre alt –, die mit einer Softairwaffe in aller Öffentlichkeit herumgespielt haben.

Häufig gibt  keine bösen Absichten der Softair-Besitzer

„Die waren sich überhaupt nicht bewusst, dass sie Schrecken und Angst verbreitet haben“, beklagt Kärchner die Naivität der Jugendlichen. Gleichzeitig bedankt er sich bei den aufmerksamen Bürgern, die die Polizei alarmierten.

Dass die Spielzeugwaffen täuschend echt aussehen, ist gewollt. So steht etwa in der Kundenbeschreibung einer Softairwaffe eines Internetversandhauses: „Ich denke, warum man sich dieses Gerät kauft ist klar: Um endlich mal das Gefühl einer echten Waffe zu haben und kein Plastikteil, sondern eine Pistole, die in Größe und Gewicht an das reale Vorbild erinnert.“

„Im Kinderzimmer können die ja damit machen was sie wollen“, beschreibt Henry Faltin von der Offenbacher Polizei die eine Seite des Problems. Allerdings erfüllen diese Waffen die Kriterien einer so genannten Anscheinwaffe. Und wer diese in aller Öffentlichkeit dabei hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit und wird bestraft.

Polizei muss von scharfer Waffe ausgehen

Für die Polizei sind diese Spielzeugwaffen ein Problem, da sie jedesmal erst einmal davon ausgehen müssen, dass es sich um eine scharfe Waffe handelt. Deshalb appellieren sowohl Kärchner als auch Faltin an die Eltern, dass sie mit ihren Kindern über die von Softairwaffen ausgehenden Gefahren sprechen – und am besten dieses Spielzeug gleich verbieten.

  

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