Keinen scheint es zu stören

Spielsüchtige Jugendliche: Schuld sind Rubbellos und Co.

Region Rhein-Main – Glücksspiel ist erst ab 18 erlaubt. Trotzdem haben laut Studie schon ein Viertel der 16- bis 17-Jährigen um Geld gespielt. Und keiner scheint sich daran zu stören. Dabei steigt die Zahl der Opfer. Schuld sind naive Eltern und zu laxe Gesetze. Von Christian Reinartz

Schon im Jugendalter wird häufig der Grundstein für eine Spielsucht gelegt – oft durch Naivität der Eltern.

Los geht’s mit einem mitgebrachten Rubbellos. Was viele Eltern für einen Spaß und netten Zeitvertreib halten, kann für den Nachwuchs die Einstiegsdroge in den Strudel der Spielsucht sein. „20 Jahre später stehen die Opfer dann bei uns in der Beratung und haben Haus und Hof verspielt“, sagt Wolfgang Schmidt-Rosengarten. Er ist Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen in Frankfurt und warnt: „Die Zahl der Glücksspieler ist in jüngster Zeit stark angestiegen.“ Das gelte insbesondere für Jugendliche, die völlig ohne Kontrolle, etwa in Gaststätten oder bei Sportwetten, ihr Geld verspielten. „Und weil sie oft so knapp bei Kasse sind, machen sie schnell Schulden“, sagt Schmidt-Rosengarten. Vor allem Freunde und Bekannte würden angepumpt, um die beginnende Spielsucht zu stillen. Mittlerweile hat laut Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fast ein Viertel der 16- bis 17-Jährigen ein gewerblich angebotenes Glücksspiel gespielt.

Das Problem ist die fehlende Kontrolle

Das Problem ist, so der Fachmann, die fehlende Kontrolle. „Das ist eigentlich ein Wahnsinn“, sagt er ärgerlich. „Während das Personal in Spielhallen spezielle Schulungen zur Glücksspielprävention machen muss, darf in den Kneipen einfach ohne Kontrolle drauflosgespielt werden.“ Oft stünden die Geräte im Toilettenbereich oder dort, wo der Wirt überhaupt keine Einsicht habe. „Und genau an diesen Geräten stehen dann die Minderjährigen und spielen sich in die Sucht.“

Genauso gefährlich: Sportwetten! „Mittlerweile ist es gerade bei Jugendmannschaften im Fußball zum Trend geworden, dass gemeinsam gewettet wird“, sagt Schmidt-Rosengarten. Manchmal bringe sogar der Trainer die Tipps dann ins Wettbüro. „Und die ganzen Online-Angebote, wie etwa Pokern, geben Jugendlichen den Rest“, sagt der Sucht-Aufklärer. Zwar sei bei diesen Anbietern im Netz ein Alterscheck vorgeschrieben. Doch der werde von den Jugendlichen einfach umgangen.

Jugendlichen können Verbot problemlos aushebeln

„Wir haben also ein Glücksspielverbot für Minderjährige, das aber faktisch in fast allen Bereichen problemlos von den Jugendlichen ausgehebelt werden kann“, stellt Schmidt-Rosengarten klar. Dass eine Kontrolle möglich ist, zeigt das hessische Sperrsystem in Spielhallen namens OASIS. Eingeführt wurde es 2014 und beinhaltet, dass sich jeder Spieler ausweisen muss, bevor es an die Automaten geht.

„Der Gesetzgeber hat in Sachen Automatenspiel in der Kneipe aber offenbar mehr die Glücksspiellobby im Blick als die Jugendlichen.“ Eine Gesetzesänderung aus dem vergangenen Jahr zeige, wie die Politik vorgehe. „In Zukunft wird die Zahl der in Gaststätten erlaubten Glücksspielautomaten von drei auf zwei verringert, statt sie grundsätzlich zu verbieten“, sagt Schmidt-Rosengarten. Vom Spielen hält das aber Jugendliche kaum ab. Sie müssten dann höchstens etwas anstehen.“

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