Spenden-Terror in der Kurstadt: Den Bad Homburgern reicht‘s!

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Auf der Bad Homburger Louisenstraße werden viel mehr Spenden gesammelt und Almosen erbeten, als in anderen Kreisstädten.Foto, Montage: rz, Günther Richter / pixelio.de

Bad Homburg – Wer in Bad Homburg durch die Innenstadt schlendert, braucht ein hartes Herz – oder sehr viel Geld. Denn nirgendwo sonst im Rhein-Main-Gebiet bitten Verbände auf offener Straße so häufig um Spenden. Die Bad Homburger nervt das. Sie sind es leid, als Melkkuh herhalten zu müssen. Von Christian Reinartz

500 Meter auf der Bad Homburger Louisenstraße kosten etwa 50 Euro. Und zwar monatlich. Zumindest, wenn man auf die Spendenbitten der Vereine und Verbände reagiert, die die Fußgängerzone mit ihren Ständen bevölkern. Dazu kommen regelmäßig Zirkus-Leute, die mit ihren Tieren um einen Obulus bitten. Wirft man Bettlern oder Straßenmusikern noch etwas in die Mütze, wird‘s noch teurer. Kein Wunder, dass viele Bad Homburger genervt sind. „Ich bin heute schon viermal angequatscht worden“, beklagt sich Rentnerin Anneliese Wackermann: „Das ist in anderen Städten doch auch nicht so.“

Herrmann und Marion Keller, die noch nicht lange in Bad Homburg wohnen, haben den Spenden-Wahnsinn auf der Louisenstraße ebenfalls satt: „Jedesmal bekommen wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir vorbeigehen und nicht auf die Bitten reagieren. Das ist penetrant.“

Penetrante Spendensammler nerven die Fußgänger

Auch die Einzelhändler haben bemerkt, dass ihre Innenstadt Spendensammler offenbar magnetisch anzieht. Christian König von Ringfoto König: „Es sind schon ganz schön viele Bittsteller hier in der Fußgängerzone, auch wenn sie nicht zu uns reinkommen.“

Neben Wohltätigkeitsvereinen bitten auch Zirkusse regelmäßig um milde Gaben.

Bei der Stadt Bad Homburg bestätigt die stellvertretende Pressesprecherin Roswitha Hoflender: „Wir haben pro Jahr etwa 100 Verbände, die im öffentlichen Raum in Bad Homburg Spenden sammeln.“

Und damit viel mehr als in anderen Kreisstädten des Rhein-Main-Gebiets. In Dietzenbach etwa hat es im vergangenen Jahr, laut Ordnungsamt, lediglich zwei entsprechende Anfragen gegeben. In Hofheim sei so etwas „überhaupt kein Thema“, heißt es dort im Rathaus.

Doch warum stürzen sich Spendensammler auf die Kurstadt? Die Bad Homburgerin Chanel McBride glaubt: „Das kann daran liegen, dass hier Menschen leben, denen es finanziell gut geht.“

Wer viel hat, gibt viel?

Der Frankfurter Spenden-Experte Thomas Kreuzer von der Fundraising-Akademie hat eine eigene Theorie: „Wohlhabende Menschen engagieren sich stärker und sammeln deshalb mehr Spenden.“

Eine offenbar gut situierten Passantin, die ihren Namen nicht nennen will, hat dafür kein Verständnis: „Es ist doch egal, wer da steht. Diese Leute wollen an unser Geld. Dabei müssen wir dafür hart arbeiten. Sollen sie doch zur Abwechslung mal nach Königstein oder Oberursel gehen.“

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