Sparwahn geht in die Hose

Heinz Keim aus Dietzenbach hatte bereits Anfang Dezember das Rezept für die Inkontinenzhilfen nach Fulda geschickt. Danach passierte nichts. Über die teure Service-Hotline erreichte der 66-Jährige niemanden, hing dafür minutenlang in Warteschleifen.

Da Keim aber die Einlagen dringend benötigte, rief er die AOK an. Die antwortete, er solle sich die Sachen in der Apotheke vor Ort besorgen. "Was soll das?", fragt Keim. Ralf Metzger von der AOK Hessen hat zunächst einmal entschuldigende Worte parat, spricht von Einzelfällen und Anfangsschwierigkeiten. "Wir werden aber mit unserem Vertragspartner noch einmal sprechen", sagt er und erklärt die Hintergründe des Verfahrens. Es sei politisch so gewollt, dass die Krankenkassen unter anderem für die Versorgung mit Inkontinenzartikeln feste Vertragspartner finden müssen. Ziel ist es, "die Qualität und Wirtschaftlichkeit zu verbessern und damit zu einem dauerhaften leistungsfähigen Gesundheitswesen beizutragen", erklärt der AOK-Sprecher. "Das ist dieser absolute Sparwahn, der auf den Rücken der Patienten ausgetragen wird", sagt der Dietzenbacher Apotheker Richard Graf und spricht damit für viele seiner Kollegen. Er hat die Probleme kommen sehen. "Die Firmen können doch den Ansturm kaum bewältigen, und die Logistik funktioniert noch nicht", sagt Graf. Er sieht in dem ganzen Verfahren noch einen entscheidenden Nachteil. "Wenn Kunden eine bessere Qualität haben wollen, konnten sie früher einfach draufzahlen. Das ist jetzt nicht mehr möglich", so der Apotheker. Für Heinz Keim ist die ganze Angelegenheit vorerst erledigt. Nach der EXTRA-TIPP-Anfrage reagierten AOK und Mako sofort. Keine 24 Stunden später klingelte es bei dem Dietzenbacher an der Haustür: Das Paket war da.

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