Neue Heimat in Deutschland

Taunus: Kein Platz für Flüchtlinge

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Trauriger Blick eines syrischen Mädchens bei ihrer Ankunft in Deutschland. Ob sie ihre Heimat wiedersehen wird, ist nicht sicher.
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Taunus – Aufstand in Bad Soden und Schwalbach. Grund sind neue Unterkünfte für Flüchtlinge. Die Bürger dort fürchten Kriminalität, mehr Dreck und Wertverlust ihrer Immobilien. Von Dirk Beutel

Unmut in Bad Soden. Dort bereitet der Bau einer neuen Unterkunft für Flüchtlinge „Am Hübenbusch“ den dort wohnenden Bürgern große Sorge. Noch mehr: Sie haben Angst. Angst vor Kriminalität, vor Dreck, dass man seine Kinder nicht mehr alleine in die Schule gehen lassen kann und, dass das teure Eigenheim an Wert verliert. 200 Bürger haben eine Liste unterschrieben, um sich im Bad Sodener Rathaus Gehör zu verschaffen.

Bürgermeister Norbert Altenkamp ist von dem Widerstand überrascht: „Wenn man bedenkt, dass bis 2009 auf der Nordseite dieses Wohngebietes schon einmal Flüchtlinge untergebracht wurden, wundert mich dieser Vorstoß schon.“ Zumal Bad Soden zum Höhepunkt des Bosnien-Krieges sogar bis zu 350 Flüchtlinge untergebracht hatte. Momentan ist von lediglich 57 die Rede. Immerhin haben die Container-Gegner eine Bürgerversammlung erreicht. „Es war die einzige Bürgerversammlung im Main-Taunus-Kreis, die es zu diesem Thema gegeben hat“, sagt Altenkamp. Wenigstens habe man dadurch die Grundaufregung lindern und einige erhitzte Gemüter beruhigen können. Doch der Rathaus-Chef weiß: „Wenn jemand vor etwas Angst hat, kann man informieren soviel man will.“

Auch die neue Flüchtlingsberaterin Elke Lentz kann die Sorgen und Vorurteile mancher Bürger nicht verstehen: „Zumal dadurch eine Integration von vornherein verhindert wird.“ Allerdings relativiert Lentz die Form der Unterbringung. „Idealerweise müssten diese Menschen in Wohnungen untergebracht werden und nicht geballt an einem Fleck in Containern.“

Keine geeigneten Standorte

Doch da liegt ein weiteres Problem: Es gibt in Bad Soden so gut wie keine Standorte, die für diesen Zweck geeignet wären. Lediglich das alte Gebäude der Taunus-Sparkasse käme noch in Frage.

Ähnliches in der Nachbarkommune Eschborn: „Auch Inserate haben nichts gebracht“, sagt Eschborns Erster Stadtrat Thomas Ebert. Seine Kommune muss ebenfalls gegen Widerstand ankämpfen. Allerdings kommt dieser aus der Nachbarstadt Schwalbach. Dort protestieren die Anwohner über den Bau einer Flüchtlingsunterkunft „Im Wehlings“, direkt an der Grenze zwischen einem Schwalbacher Wohngebiet und Eschborn. Beide Kommunen müssen zusammen 91 Flüchtlinge unterbringen. „Doch auf Schwalbach kommt keine Integrationsleistung zu“, sagt Ebert. Jede Form der Betreuung werde in Eschborn geregelt.

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Die Probleme mit neuen Asyl-Unterkünften kennt auch Hans-Jürgen Hielscher, Erster Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises: „Wir nehmen alle Bedenken der Bürger ernst. Aber unsere Erfahrung ist die, dass durch eine aktive Bürgerschaft die eine Verbindung mit den Flüchtlingen herstellt, eine Bereicherung entstehen kann. Außerdem muss man betonen, dass es sich bei diesen Menschen nicht um Wirtschaftsflüchtlinge handelt, sondern um gut ausgebildete Menschen mit ihren Familien.“

Heiner Kappel, Fraktionschef der Wählergemeinschaft Bad Sodener Bürger versteht die Aufregung hingegen nicht: „Ob begründet oder unbegründet: Es ist doch ganz normal, dass man erstmal fremdelt, aber da werden noch lange keine Messer gewetzt.“ Dabei verweist Kappel auf die Tatsache, dass die Unterkünfte neben einer Grundschule gebaut werden würden, was vor allem bei einigen Eltern zu Sorgenfalten führen würde.

Altenkamp: „Für die Flüchtlinge müssen Unterkünfte geschaffen werden, das ist unsere Pflicht, und der kommen wir nach.“

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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