Zwölfjähriger aus Rodgau leidet an ADHS

Ärzte verschreiben benötigtes Medikament nicht

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Silke Bergmann fühlt sich alleine gelassen. Die Mutter findet keinen Arzt, der für ihren Sohn, der an ADHS leidet, das für ihn empfohlene Medikament verschreibt.

Rodgau – Silke Bergmann ist verzweifelt. Alles was sich die Mutter wünscht ist das Beste für ihren zwölfjährigen Sohn. Der leidet an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivstörung (ADHS), doch Bergmann findet keinen Arzt, der das für ihn empfohlene Medikament verschreibt. Von Dirk Beutel

Dabei hilft das Mittel der Familie einen normalen Alltag zu führen. Silke Bergmann ist den Tränen nahe. Sie findet keinen Arzt, der ihren Sohn, der unter ADHS leidet, als Patienten aufnimmt und ihm das für ihn wichtige Medikament Equasym Retard verschreibt. Grund: Ihr Kinderarzt stellt kein Rezept aus.

Rückblick: 2008 wird an Bergmanns Sohn ADHS diagnostiziert. Damit er ruhiger wird und er sich besser konzentrieren kann, empfehlen die Mediziner das stimulierende Mittel Equasym Retard. Was die Rodgauerin bis dahin nicht wusste ist, dass ihr behandelnder Kinderarzt dieses Mittel für ihren Sohn nie verschreiben wird. Stattdessen musste sie sich von ihm eine Überweisung für das Klinikum in Frankfurt-Höchst ausstellen lassen. Dort, wo auch die Diagnose gestellt wurde. „Aber warum unser Arzt das Medikament nicht verschreibt, hat er nie begründet“, sagt die 38-Jährige: „Es war für mich am Anfang auch nicht leicht, meinem Sohn das Medikament zu geben, weil ich weiß, dass das bei Kindern mit ADHS umstritten ist. Aber meinem Sohn und meiner Familie hat es geholfen.“

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Kein Arzt nimmt den Sohn als Patienten auf

Es folgt ein Spießrutenlauf für die selbstständig tätige Mutter. Allgemeinmediziner, Internisten, Kinderärzte – niemand nahm ihren Sohn als Patienten auf und war bereit, das ADHS-Medikament zu verschreiben. „Ich habe geheult vor Wut, weil uns einfach keiner helfen wollte und ich nicht mal weiß, warum“, sagt die 38-Jährige: „Ich würde das Mittel sogar komplett bezahlen, weil es aber unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, darf es nur auf Rezept verkauft werden.“

EXTRA TIPP erfährt den Grund der Ablehnung

Erst als sich der EXTRA TIPP einschaltet, erfährt Silke Bergmann den Grund, warum sie bei allen Ärzten, die sie aufgesucht hat, abgelehnt wurde. „Das hat nichts mit Budgets oder Bürokratie zu tun, sondern hat alleine medizinische Gründe. Das Medikament ist nicht harmlos und wurde bereits oft als Aufputschmittel missbraucht. Deshalb darf es auch nicht jeder verschreiben, man braucht eine Zusatzqualifikation“, sagt Karl Matthias Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen: „Es ist allein die Entscheidung des Arztes, ob er der Therapie mit diesem Medikament zustimmt oder nicht“, sagt Riyad Salhi, Sprecher der AOK-Hessen. Dennoch, so Roth, hätte der zuständige Kinderarzt das Gespräch mit Bergmann suchen müssen und ihr eine Alternativtherapie anbieten müssen. „Doch das hat er nie getan. Ich habe immer auf die Empfehlung aus dem Höchster Klinikum vertraut“, sagt Bergmann. Ihre Krankenkasse rät: "Wir empfehlen einen Diagnose- und Behandlungsansatz in den Sozialpädiatrischen Zentren“, sagt BKK-Mobil-Oil-Sprecherin Antje Eckert. Aber dort war Bergmanns Sohn bereits fünf Jahre lang in Behandlung – geholfen hat es ihm nicht.

Jetzt will sich die Mutter an die Patientenvertraute der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. „Wenn ihr jemand helfen kann, einen Spezialisten zu finden oder jemanden, der eine andere Therapie empfiehlt, dann ist sie die richtige Ansprechpartnerin“, sagt Salhi.

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