In öffentlichen Verkehrsmitteln

In Bus und Bahn: Frotteure reiben sich an ahnungslosen Frauen

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Wenn es in den Öffentlichen eng wird, nutzen Frotteure die Situation aus und drücken sich an Frauen heran. Davon werden sie erregt, reiben sich mitunter sogar an ihren Opfern.

Frankfurt - Zur Stoßzeit wird’s in Bus und Bahn eng. Und das ruft Männer auf den Plan, die sich zur sexuellen Stimulation im Gedränge an Frauen reiben. Die Fälle im Rhein-Main-Gebiet scheinen sich zu häufen. Von Christian Reinartz

Sich an Frauen gegen deren Willen und möglichst unentdeckt zu reiben, löst bei Frotteuren, wie diese Männer genannt werden, höchste Glücksgefühle aus. Der Frotteurismus war bisher nur in Japan ein größeres Problem. Doch mittlerweile haben auch viele Frauen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die ekelhafte Nötigung am eigenen Leib erfahren.

Die 29-jährige Frankfurter Studentin Michelle ist selbst erst am vergangenen Freitag Opfer einer solchen Drängel-Attacke in der Frankfurter Straßenbahnlinie 18 Richtung Konstabler Wache geworden. „Es war schon sehr voll, als ich eingestiegen bin“, erinnert sie sich. Ein Mann Anfang 40 habe neben ihr gestanden. „Dann hat der plötzlich sein Becken immer weiter in meine Richtung gestreckt und angefangen sich an meiner Hüfte zu reiben“, sagt sie angewidert. Erst hofft sie auf ein Versehen. „Aber dann hat der sich immer weiter nach vorne gebeugt, und ich bin zurückgewichen.“ Erst als sie ihn laut gefragt habe, was das denn solle, habe er aufgehört. „Aber der hat so getan, als wenn nichts gewesen wäre. Auch, wenn dieses Erlebnis für Michelle das bisher Einschneidenste war, „die üblichen Brustberührungen in der U-Bahn, sind ja im Rhein-Main-Gebiet fast schon Standard“.

Frotteure haben oft wenig soziale Kontakte

Auch die Frankfurter Erotik-Expertin und Autorin Christine Janson ist schon mehrmals Opfer der Frotteure geworden. „Das passiert in Frankfurt viel häufiger, als man denkt.“

Roland Breinlinger, psychologischer Psychotherapeut aus Frankfurt und Fachmann für solche Fälle versucht eine Erklärung für die Übergriffe. „Das sind meist Menschen, die sich schnell zurückziehen und deswegen wenige soziale Kontakte haben“, analysiert Breinlinger. Diese Menschen seien in Ermangelung echter Sexualkontakte so sehr auf den sexuellen Gedanken fokussiert, dass eine Berührung im Gedränge schon ausreicht, um sie vollends zu erregen. „Das sind Hungernde, die nach Brotkrumen suchen.“ Gefährlich für Leib und Leben schätzt er sie aber nicht ein. „Sobald man auf sie zugeht, ziehen sie sich zurück und flüchten“, sagt der Psychologe.

Etwas anderes, als die Frotteure in die Flucht zu schlagen, bleibt den Frauen offenbar auch nicht, denn ein solcher Übergriff sei so gut wie nicht zu beweisen, sagt Manfred Vonhausen, Sprecher des Frankfurter Polizeipräsidiums. Letzten Endes könnten die Täter immer behaupten, das seien nur ganz beiläufige Berührungen gewesen, die dem Abbremsen und Gasgeben der Bahn geschuldet gewesen seien. „Da würde doch jeder Richter im Zweifel für den Angeklagten entscheiden“, ist Vonhausen sicher.

Form des sexuellen Missbrauchs

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Dabei ist der Frotteurismus eine weitere Form des sexuellen Missbrauchs. „Deshalb sollte eine Frau in einem solchen Fall sofort handeln“, sagt Christine Janson. „Man merkt es zwar nicht immer gleich. Aber wenn einem die ungewöhnliche Nähe eines Mitfahrers komisch vorkommt, sollte man die Initiative ergreifen“, rät Janson. „Das einzige was hilft, ist die Leute vor versammelter Mannschaft anzusprechen und somit bloßzustellen.“

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