Man hat ihm sein  Volk gestohlen

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Wurde zum ersten Mal beklaut: Hobbyimker Heiner Eberhardt.

Region Rhein-Main – Unbekannte Diebe haben in Dieburg ein ganzes Bienenvolk mit 5000 Tieren geklaut. Warum? Wer kann etwas damit anfangen? Ein Experte vermutet kriminelle Imker hinter dem Raub. Von Dirk Beutel

Wer macht denn sowas? Ein bislang unbekannter Dieb hat in Dieburg ein komplettes Bienenvolk mit dem dazugehörigen Magazin von Hobbyimker Heiner Eberhardt geklaut. Der Freiberufler hatte seine 13 Magazine zum ersten Mal im Winter in einem Waldstück in der Nähe von Dieburg aufgestellt. Dass die grünen Kisten mit den summenden Bienenvölkern im Grunde ungeschützt herumstanden, störte Eberhardt nicht. „Hier kommt so gut wie niemand vorbei. Außer ein paar Spaziergängern, die mit ihrem Hund Gassi gehen.“

Nur ein Fachmann hätte ein solches Flugloch am Bienenmagazin ordentlich verschließen können, ohne dass die Bienen ersticken.

Doch jetzt bekam er für seine Offenheit die Quittung: „Zum Glück hat der Dieb nur ein Magazin geklaut“, sagt Eberhardt. In seinem geklauten Magazin dürften um die 5000 Bienen gewesen sein, die sich im Sommer auf bis zu 70.000 Exemplare vermehrt hätten. Weil es sich um so genannte Wirtschaftsbienen handelte, geht der Dieburger von einem Dieb aus, der den Honig später verkaufen will. Bis zu 50 Kilo Honig im Jahr können die Bienen in diesem Magazin produzieren.„So etwas kommt immer wieder mal vor“, sagt Bernd Grünewald, Leiter des Bienenkundeinstituts in Oberursel. Er geht von kriminellen Imkern aus, die gegen Ende des Winters auf Raubzüge gehen. „Eigentlich darf man solche Leute gar nicht Imker nennen. Aber sie wissen, dass jetzt der ideale Zeitpunkt ist, um zuzuschlagen. Die Population ist noch gering und zum großen Teil noch flugunfähig“, erklärt Grünewald. Den materiellen Wert eines solchen Magazins schätzt der Experte auf 250 bis 300 Euro. Deswegen bauen immer mehr Imker einen GPS-Sender in ihre Magazine ein, um sich vor solchen Diebstählen zu schützen.

Für Holger Marx, dem Vorsitzenden des Offenbacher Imkervereins ist der Fall klar: „Dort waren Profis am Werk. Und zwar kräftige Jungs“. Bis zu 40 Kilo könne ein einziges Magazin wiegen. Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um einen Fachmann gehandelt hat: Der Dieb musste das Flugloch am Magazin verschließen, trotzdem müssen die Bienen aber genug Luft bekommen, und dürfen nicht erschreckt werden. Eine komplizierte Sache: „Ein Laie kriegt das nie auf die Reihe“, sagt Marx. In strengen Wintern können ganze Völker sterben, sagt er, dann brauchen einige Imker schnell Nachschub, weil sie Lieferverträge haben, so könnte der Diebstahl motiviert sein. Für Eberhardt hat Marx wenig Hoffnung, dass die Tiere wieder auftauchen. Sie können überall stehen, auch im Ausland. Eine Aufklärung wäre reiner Zufall.

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