Urteil im Kinderporno-Prozess

Sein letzter Gang in Freiheit

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Darmstadt/Dreieich – Offenthal atmet auf. Vor allem Mütter und Väter aus dem Dreieicher Ortsteil hatten den Kinderporno-Prozess gegen den als Vorlese-Onkel bekannten Matthias P. verfolgt. Jetzt das Urteil: Vier Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Von Norman Körtge

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Strahlende, glückliche Gesichter im Zuschauerbereich, Schockstarre auf der Anklagebank. Der Kontrast im Saal vier des Darmstädter Landgerichts hätte am Dienstagnachmittag nicht größer sein können. „Endlich bekommt der Kerl seine gerechte Strafe. Ich hatte bis zuletzt Zweifel, dass er wieder irgendwie davon kommt“, erzählt ein freudig erregter Familienvater aus Offenthal, der bei jedem der fünf Prozesstage gegen Matthias P. anwesend war.

Denn das Urteil, das Richter Jens Aßling sprach, war deutlich: Vier Jahre Haft wegen Verbreitung von Kinderpornos und Besitz von geschätzten 400.000 Fotos und 5000 Filmen mit kinderpornografischen Material, darunter Anal-, Vaginal- und Oralverkehr mit Vierjährigen. Damit blieb Richter Aßling nur wenig unter der von Staatsanwältin Katia Schick geforderten Strafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Mittelgradiges Rückfallrisiko

Und da Matthias P. bereits wegen mehrfachen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern Ende der 90er Jahre zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und ihm der psychiatrische Gutachter Dieter Jöckel nicht nur eine „Kern-Pädophile“, sondern auch ein „mittelgradiges Rückfallrisiko“ attestierte, ordnete Richter Aßling auch die von der Staatsanwältin geforderte Sicherungsverwahrung an. Das bedeutet, dass der 49-Jährige nach verbüßen der Haftstrafe in einer geschlossenen Anstalt mit therapeutischer Begleitung untergebracht wird.

Verteidiger forderte Bewährungsstrafe

Obwohl Matthias P.s Anwalt Jörg Dietrich, der für eine Bewährungsstrafe mit erheblichen Auflagen plädiert hatte, bereits Revision gegen das Urteil angekündigt hat, war der Gang ins Gericht für seinen Mandanten der vorerst letzte in Freiheit. Denn wegen drohender Fluchtgefahr ließ Richter Aßling den Contergan-Geschädigten direkt aus dem Gerichtssaal nach Weiterstadt bringen, wo er jetzt in Untersuchungshaft sitzt.

Der Prozess gegen den Offenthaler hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, da er bis zum Bekanntwerden der aktuellen Tat als Vorlese-Onkel in der Stadt- und Schulbücherei an der Wingertschule ehrenamtlich tätig war. Auch dies wurde Matthias P. negativ ausgelegt. Hatte er doch im Rahmen eines Gutachtens bei seiner Haftentlassung gesagt, dass er zukünftig Kontakt zu Kindern meiden will.

Seinen Beteuerungen vor Gericht, geläutert zu sein, glaubten ihm diesmal weder Gutachter, Staatsanwältin noch Richter.

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