Sein Auto frisst bis zu 19 Liter

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Otto Wachner zeigt seine akribischen Berechnungen. Dabei hat er festgestellt, dass sein Fiat über 36 Prozent mehr als versprochen verbraucht.

Otzberg – Er fährt schon 40 Jahre Auto, aber so etwas ist ihm noch nicht untergekommen. Otto Wachners Fiat schluckt im Schnitt fast neun Liter. Doch das ist nicht die einzige Ungereimtheit des Neuwagens.Von Andreas Einbock

Ein neues und vor allem sparsames Auto wollte sich Otto Wachner vor acht Monaten kaufen. Doch was er bekam, lässt ihn fast täglich verzweifeln. „Meinen Berechnungen nach verbraucht das Auto 8,95 Liter. Als Spitzenwert hatte ich sogar einmal 19 Liter“, sagt der Rentner, der alle Tankbelege gesammelt hat. Doch für Wachners Punto Evo Active mit 77 PS weist der Verkaufsprospekt einen mittleren Kraftstoffverbrauch von nur 5,7 Litern auf 100 Kilometern aus.

„Ich fahre immer in hohen Gängen, habe fast nie Gepäck geladen und nutze selten die Klimaanlage“, beschreibt der 62-Jährige seine Fahrweise. Die könne zwar durch seine Tätigkeit als Zeitungszusteller höher als normal sein. „Aber die gravierenden Verbrauchsunterschiede nach jedem Tanken und die unlogischen Zahlen auf der Verbrauchsanzeige im Auto kann das doch nicht erklären“, so Wachner. Selbst bei zwei Probefahrten mit dem Autohaus-Besitzer habe die Anzeige eine steigende statt eine fallende Literzahl bei Fahrten bergab angezeigt.

Fahrweise soll schuld sein

Stutzig macht ihn auch, dass an einigen Autoteilen Etiketten heraushängen, das Autoradio fast zehn Minuten zum Starten braucht und im Serviceheft sämtliche Servicenummer durchgestrichen sind. Wachner: „Ich habe den Verdacht, dass das Auto gar nicht für den deutschen Markt gedacht ist“

Claus Witzeck.

Beim Autohaus will der Inhaber Manfred Orth zunächst nichts von diesen Problemen wissen, um später alles auf die Fahrweise zu schieben.„Das Auto wird extrem unterschiedlich genutzt. Nur so kann ich mir das erklären“, so der Autohaus-Chef. Doch auch dafür gibt es laut ADAC Grenzen. „Von den Herstellerangaben abweichender, zu hoher Kraftstoffverbrauch stellt grundsätzlich einen Mangel dar, der zu Sachmängelhaftungsansprüchen führen kann“, sagt Klaus Heimgärtner. Ob man vom Kauf zurücktreten oder den Preis mindern kann, hänge von der Zehn-Prozent-Grenze ab, so der ADAC-Jurist. In jedem Fall müsse aber ein Sachverständiger die Kraftstoffwerte ermitteln. Doch dafür fehle ihm das Geld, so Wachner.

Ob ein Gutachten überhaupt noch notwendig ist, hängt von einem anderen Verdacht ab. Denn ob Wachner überhaupt einen Neuwagen verkauft wurde, ist schwer zu klären. Neben dem Autohaus-Inhaber verweist auch Fiat-Pressesprecher Claus Witzeck bei der Klärung der Fahrzeugidentnummer auf den Datenschutz. Statt einem Fiat-Fahrer zu helfen, hofft Witzeck auf die Klärung zwischen den Beteiligten:„Nur wenn sich einer der beiden an uns wendet, werden wir uns einschalten.“

Doch das Vertrauen in den italienischen Autobauer ist bei Wachner futsch. „Der technische Außendienst soll bei einer Probefahrt keine Abweichungen festgestellt haben, dabei ist niemand von denen mit meinem Auto gefahren“, schimpft der Otzberger und ergänzt:„Ich habe da mit Sicherheit ein absolutes Schrottauto bekommen.“

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