Mit Waage an den Schulen in Rhein-Main

Schulranzen: Was Schüler wirklich schleppen müssen 

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Kinder gehen täglich mit Büchern, Heften und anderen Sachen bepackt in die Schule. Ein stabiler Schulranzen kann ihnen das Tragen erleichtern.

Region Rhein-Main – Bücher, Hefte, Pausenbrot – schwere Ranzen gehören zum Alltag vieler Schüler. Während Eltern jammern, reagieren Experten eher gelassen. Wir haben getestet, wie viel Kilo geschleppt werden. Von Fabienne Seibel 

Immer wieder beschweren sich Eltern, dass die Ranzen von Schulkindern wegen vieler Bücher und Hefte zu schwer seien. Viele plagt die Angst, dass beim Nachwuchs deshalb Haltungsfehler oder sogar Schäden entstehen. Der EXTRA TIPP hat sich zum Start des neuen Halbjahres Waage und Schulranzen geschnappt und gewogen, was Schüler der Region wirklich auf dem Rücken tragen. Ergebnis: Im Schnitt schleppen die meisten Schüler vier bis fünf Kilo mit sich rum.

Schulranzen als Trainingsgerät

Yvonne Wagner von der Techniker Krankenkasse Hessen sagt: „Zehn bis fünfzehn Prozent des Körpergewichts darf der Ranzen oder Rucksack wiegen.“ Es stimme nicht, dass ein schwerer Schulranzen automatisch zu Rückenproblemen führe. Wagner: „Belastung muss im Zusammenhang mit Bewegung im Alltag gesehen werden. Man kann den Ranzen als Trainingsgerät betrachten. Kinder, die sich insgesamt zu wenig bewegen, besitzen zu wenig Muskulatur, die das Gewicht des Schulranzens ausgleichen kann.“ Sie ergänzt: „Wenn Eltern den Nachwuchs mit dem Auto in die Schule bringen, nehmen sie ihm eine Bewegungschance.“ Trotzdem müsse darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Schulmaterial herumgeschleppt und der Ranzen richtig getragen wird. „Schwere Sachen nach hinten an den Rücken, den Ranzen auf beiden Schultern am Rücken anliegend tragen und unnötiges Gewicht wie Spielzeug vermeiden“, rät Wagner.

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Ein Vater aus Friedrichsdorf ist anderer Meinung: Er sagt: „Mein Sohn besucht die erste Klasse, und ich denke mir oft, dass er sicher mal Beschwerden bekommt wegen dem ganzen Kram, den er mitschleppt. Die Lehrer sind gefragt. Sie müssen am Ende des Unterrichts darauf schauen, dass die Kinder nicht zu viel mitnehmen und manche Bücher in der Schule lassen.“ Die Mutter von David, der die erste Klasse der Peter-Härtling-Schule in Friedrichsdorf besucht, sagt: „Oft ist es die Schuld von Schülern und Eltern, dass die Ranzen zu schwer bepackt sind. Manche Kinder sind dickköpfig oder zu gewissenhaft und schleppen deshalb jeden Tag alles unnötig mit.“ Der siebenjährige David sagt aber: „Mein Ranzen ist mir nicht zu schwer.“

Eltern müssen Ranzen überprüfen

David aus Friedrichsdorf. Ranzen: Fünfeinhalb Kilo.

Alix Puhl, Vorsitzende des Stadtelternbeirats Frankfurt , ist vertraut mit der Debatte um schwere Ranzen: „Das Thema ist ein Dauerbrenner. Um eine Lösung zu finden, müssen Eltern, Kinder sowie Lehrer Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten.“ Laut Puhl unternehmen bereits einige Schulen der Region etwas dafür, den Kindern das Tragen zu erleichtern. „Das Problem kommt in allen Schulformen vor, aber Grundschulen arbeiten kaum noch mit dicken Büchern. Oft wird auch die Schultaktung verändert, so dass die Kinder eher Doppelstunden haben statt jede Stunde ein anderes Fach. Dadurch müssen sie weniger Materialien mitbringen.“ In erster Linie sind ihr zufolge aber die Eltern dafür verantwortlich, den Inhalt des Ranzens zu überprüfen. „Eltern müssen unbedingt darauf achten, was ihr Kind mitnimmt und wie es den Ranzen packt. Außerdem muss beim Kauf darauf geachtet werden, dass er auf den Rücken passt und gepolstert ist.“ Puhl ist sicher: „Wenn sich Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam kümmern, kann das Problem schnell aus der Welt geschafft werden.“

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