Schwerbehinderte sollte ihre Schränke selbst schleppen

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Irene Zakens de Lemos hält das unglaubliche Schreiben der Mainarbeit hoch.

Offenbach – Sie ist schwerbehindert, ihre Wirbelsäule völlig lädiert. Sie leidet an Knochenschwund und ist in Behandlung wegen einem Stresssyndrom. Dennoch soll die Hartz-IV-Empfängerin Irene Zakens de Lemos aus Offenbach ihren Wohnungsumzug alleine bewältigen. Von Christian Reinartz

Irene Zakens de Lemos ist nicht schuld an ihrer Situation. Wenn es nach ihr gegangen wäre, würde sie weiter in ihrer Wohnung in Offenbach Waldhof wohnen. Doch eine ihrer beiden Töchter zog vor einiger Zeit aus. Die Mainarbeit reagiert sofort und fordert Irene Zakens de Lemos auf, sich eine kleinere Wohnung zu suchen. Sie macht sich auf die Suche, bekommt in Offenbach aber nichts passendes. Irgendwann bietet ihr ein Bekannter aus Wiesbaden einen 400-Euro-Job als Verkäuferin an. „Ich war Feuer und Flamme“, sagt Zakens de Lemos: „Ich hab sofort angefangen in Wiesbaden eine Wohnung zu suchen, damit ich den Job annehmen konnte.“ Sie wird schnell fündig, unterschreibt nach Rücksprache mit der Mainarbeit den dortigen Mietvertrag.

Doch jetzt, als die Situation ernst wird, scheint die Mainarbeit die Schwerbehinderte hängen zu lassen. „Die wollen meinen Umzug nicht bezahlen“, regt sich die Hartz-IV-Empfängerin auf. „Ich kenne doch wirklich niemanden, der mir helfen könnte.“

Sie soll fremde Leute um Hilfe bitten

Bei der Mainarbeit glaubt man das der Schwerbehinderten offenbar nicht. Stattdessen fordert die Sachbearbeiterin außer zahlreichen medizinischen Attesten auch etwas Unglaubliches: Zakens de Lemos soll fünf Bekannte um Hilfe bitten und sich von diesen schriftlich inklusive Unterschrift bestätigen lassen, dass sie nicht helfen und warum sie es nicht tun. „Das ist sogar so formuliert, dass ich einfach fremde Leute ansprechen soll“, sagt die verzweifelte Frau. „Ich war doch nur froh einen Job zu haben und musste doch sowieso aus der Wohnung raus.“

Als der EXTRA TIPP Mainarbeits-Chef Matthias Schulze-Böing mit dem Fall konfrontiert, geht auf einmal alles ganz schnell. „Wir haben uns dazu entschieden, den Umzug von Frau Zakens de Lemos zu übernehmen“, verspricht der Geschäftsführer. Lediglich sei man sich noch nicht einig, wer die Kartons packe. Er bittet um Verständnis für die peinliche Nachfrage: „Aber das sind Steuergelder, und wir müssen deshalb genau überprüfen, ob wir so etwas bezahlen.

Irene Zakens de Lemos ist überglücklich: „Na klar packe ich selbst. Danke EXTRA TIPP.“

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