Mit dem Auto zur Schule

Eltern-Taxis vor Schulen sorgen für Verkehrschaos

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Am Schulkomplex in Heusenstamm herrscht nach Unterrichtsschluss Verkehrschaos.

Region Rhein-Main - Jeden Morgen halten Eltern mit dem Auto vor der Schule, um den Nachwuchs sicher abzusetzen. Damit bringen sie andere Autofahrer und Kinder in Gefahr. Die Stadt Heusenstamm zieht nun erste Konsequenzen. Von Fabienne Seibel 

An den Schulen im Rhein-Main-Gebiet herrscht vor allem zu Unterrichtsbeginn- und Schluss Verkehrschaos. Trotz Halteverbot parken viele Eltern unmittelbar vor dem Schulgebäude, um den Nachwuchs ein- und aussteigen zu lassen. Die Probleme sind überall gleich: Überfüllte Straßen, erhöhtes Unfallrisiko, genervte Auto-und Fahrradfahrer. Die Stadt Heusenstamm zieht jetzt Konsequenzen. Ab Montag, 3. Februar, ist die Einfahrt von der Berliner Straße in die Leibnizstraße zur Adolf-Reichwein-Schule und dem Adolf-Reichwein-Gymnasium zwischen 7.30 Uhr und acht Uhr sowie zwischen 12.45 Uhr und 13.15 Uhr verboten. Um die Probleme damit nicht in die naheliegenden Straße zu verlagern, wird dort in Höhe des Gymnasiums eine so genannte „Kiss&Ride“-Parkzone eingerichtet. Insgesamt drei Pkw-Parkplätze ermöglichen dort das kurze Halten zum Ein- und Aussteigen der Schüler.

Auch andere Städte und Kommunen kämpfen mit Elterntaxen. „Manche Eltern zeigen sich sehr ignorant“, sagt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes in Babenhausen. „An unserer Grundschule im Kirchgarten gibt es kurz vor und direkt hinter der Schule große Parkplätze, von denen die Kinder direkt ins Schulgebäude laufen könnten.“ Das scheint viele Eltern jedoch nicht zu interessieren. „Trotzdem sehe ich immer wieder, wie Kinder an der Hand bis zum Schultor begleitet werden und Eltern dafür im absoluten Halteverbot stehen“, sagt die Mitarbeiterin. Sie sagt: „So können Kinder nicht zur Selbstständigkeit erzogen werden.“

Kinder werden nicht selbstständig

Auch in Langen weiß man um das Problem. Pressesprecher Roland Sorger sagt: „Besonders am Dreieichgymnasium gibt es täglich Verkehrschaos, denn die Schule liegt zentral und rund herum gibt es wenige Parkmöglichkeiten.“ Um die Situation etwas zu entlasten, wurde im Sommer 2013 eine Fahrradstraße, die zum Schulgebäude führt, errichtet. „Wir erhoffen uns dadurch auch eine Zunahme der Zahl an Radfahrern“, sagt Sorger. Auch er meint: „Wenn die Kinder ständig mit dem Auto zur Schule gefahren werden, können sie kaum selbständige Mobilität zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Schulbus üben.“

Stephan Brockmann, Leiter für Verkehr beim Ordnungsamt Rödermark, schaut ebenfalls mit Sorge auf diese Entwicklung: „Mir ist klar dass Eltern Angst haben, ihrem Kind könne auf dem Schulweg etwas zustoßen, doch es ist auch nicht richtig, sie ständig bis vor die Tür zu bringen.“ Er ergänzt: „Zum Schuhjahresbeginn appellieren wird deshalb immer wieder an die Eltern. Auch weil im Alltag Bewegungsmangel herrscht, sollten die Kinder öfter zur Schule laufen. Dann waren sie schon an der frischen Luft, haben den Kreislauf in Schwung gebracht und sind im Unterricht wacher.“ In Rödermark sieht er keine Möglichkeit, Einfahrtsverbote oder Parkzonen in Schulnähe zu errichten. „Die örtlichen Gegebenheiten machen das nicht möglich, denn unsere Schulen liegen zentral und es herrscht ohnehin Parkplatznot“, sagt Brockmann. „Viele Kinder würden gerne allein zur Schule laufen. Eltern sollten sie zu Anfang ihrer Schulzeit einige Zeit zu Fuß begleiten. Dann können sie sicher sein, dass sie den Weg auch alleine schaffen."

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