Wer ist schuld am Tod von Lars?

"Ich habe ihm am Grab versprochen, dass ich es aufklären werde", sagt Manuela Marshlick, während sie tapfer versucht die Tränen zurück zu halten. Es gelingt ihr nicht.Denn da ist auch diese unbeschreibliche Wut in ihrem Bauch.

Sie wird das Gefühl nicht los, dass die Umstände des tödlichen Unfalls vertuscht werden. Alles was Marshlick über die Geschehnisse am 28. September 2007 weiß, steht in zwei Aktenordnern. Darin gesammelt Zeugenaussagen, Polizeiberichte und Schriftwechsel.Lars besuchte Ende September 2007 bereits seit mehreren Wochen die Peter-Härtling-Schule der Psychiatrie Philippshospital in Riedstadt. Dort hatte die allein erziehende Marshlick ihren Sohn wegen Verhaltensauffälligkeiten in der Schule schicken müssen. "Es sollte herausgefunden werden, warum der Lars so ist, wie er ist", berichtet die 36-Jährige, die selbst keine Probleme mit ihrem Sohn hatte â?? im Gegensatz zum Klassenlehrer in der heimischen Grundschule.Kurz vor dem Unfall war Lars noch im Werkraum der Härtling-Schule gewesen, um dort die selbst angefertigten Bilderrahmen zu begutachten. Da Lars und zwei weitere Schüler schnell fertig waren, sollten sie schon zurück in den Klassenraum gehen. Der liegt auf der anderen Straßenseite. Laut schriftlicher Zeugenaussage der Lehrerin habe diese die Schüler ermahnt, an der Straße stehen zu bleiben und auf den Verkehr zu achten.Doch Lars bleibt nicht stehen. Er rennt an der dichten Baumreihe vorbei auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und überrollt. Mit schweren Kopfverletzungen bleibt er liegen. Ein Rettungshubschrauber bringt ihn in die Unfallklinik nach Frankfurt. Dort stirbt er wenige Stunden später.Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Die Fahrerin scheint keine Schuld zu treffen. Weniger als 30 Stundenkilometer soll sie gefahren sein, als Lars plötzlich auf der Straße auftauchte. Nadelbäume versperrten das Sichtfeld.Deshalb ist Marshlick auch der Meinung, dass die Schule beziehungsweise die Klinik die Verantwortung trägt. Das sieht auch Rechtsanwältin Barbara Sauer-Kopic so. Sie hat erreicht, dass das schon zweimal von der Staatsanwaltschaft eingestellte Verfahren wieder aufgenommen werden musste.Zum einen sieht sie die Verkehrssicherheitspflicht auf dem Gelände vernachlässigt. Kurz nach dem Unfall seien die Nadelbäume stark zurück geschnitten worden, so dass nun Autofahrer erkennen können, dass dahinter Gebäude stehen und dort Kinder spielen könnten. Außerdem sind warnende Fahrbahnmarkierungen angebracht worden und es herrscht ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern. Für Sauer-Kopic liegt außerdem eine Verletzung der Aufsichtspflicht vor. Aus Lars beschlagnahmten Krankenakten gehe mehrmals hervor, dass dieser kein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein besitze, sagt die Anwältin.Nun ist sie genauso wie Marshlick gespannt, ob endlich Anklage erhoben wird. Eine Entscheidung soll demnächst fallen, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft.Von der Klinikleitung war wegen des laufenden Verfahrens keine Stellungnahme zu erhalten.

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